Herbstbeginn in Skandinavien III: Njoatsosvágge

10.-12. September

M&H

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Durch den Birkenwald des mittleren Njoatsosvágge führt ein undeutlicher Trampelpfad. Im Gebüsch können wir ihn einigermaßen gut verfolgen, doch an jeder Sumpfwiese droht er uns verloren zu gehen. Die Birken und Weiden stehen eng und sind vom Regen feucht ‒ wir fühlen uns wie Dschungelkämpfer. Die erste Furt über den Balgatjåhkå, einen nördlichen Zufluss des Njoatsosjåhkå, gestaltet sich einfacher als erwartet. Immer ausgedehnter werden die Moore, und bald sind auch unsere Füße völlig durchweicht. Am zweiten Bach, der unseren Weg quert, müssen wir eine Weile nach einer geeigneten Furt suchen: Die alte Brücke ist nicht mehr benutzbar, und bis zu den Sandbänken im Mündungsbereich, die Grundsten für eine Furt empfiehlt, ist uns der Umweg zu groß. Beherzt überqueren wir den Bach etwas unterhalb der verfallenen Brücke an einer Stelle, an der er sich in zwei Arme gabelt. Nun verlassen wir endlich den Weidendschungel und gewinnen im freien Gelände rasch an Höhe. Auch im nun einfallenden Nebel bereitet uns die Orientierung keine Probleme: Knapp unterhalb der Wände des Tsähkkok queren wir den Hang und überwinden die Talstufe zu den Bergseen am oberen Ende des Tals. Am Ufer des Lulep Njoatsosjávrre stellen wir unser Zelt auf. Die Wolken geben nur Ausschnitte der um uns aufragenden Bergkulisse frei, was sie aber nicht minder eindrucksvoll erscheinen lässt.

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ein morgendlicher Blick ins obere Njoatsosvágge

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auf der Suche nach dem einfachsten Weg durchs Dickicht

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eine kleine Furt

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Aufstieg zu den Seen am oberen Ende des Tals

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hier oben wird das Gelände einfacher

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am Hang unterhalb des Tsähkkok

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Rückblick

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der Lulep Njoatsosjávrre

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Zeltplatz

Den nächsten Tag erklären wir zum Ruhetag. Als ich in der Dämmerung aus dem Zelt blicke, werde ich Zeuge einer atemberaubenden Morgenstimmung über dem spiegelglatten See. Wenig später setzt aber Regen ein, sodass an eine beabsichtigte Gipfeltour nicht zu denken ist. Wir verbringen die Zeit mit Essen, Schlafen und Lesen, draußen langsam der Wind auffrischt. Bis zum Abend hat er sich zum Sturm angewachsen, und die Zeltheringe drohen im völlig durchfeuchteten Boden ihren Halt zu verlieren. Zum Glück bemerken wir die bedrohliche Situation rechtzeitig und können sie mit schweren Steinen vom Ufer befestigen. Dennoch steht uns eine schlafarme Nacht im von Sturmböen gebeugten Zelt bevor.

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Morgenstimmung am spiegelglatten See

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Spiegelung: Vássjábákte und Bulkas

Am nächsten Morgen dauert der Sturm unvermindert an. Erst gegen Mittag verlieren die Böen etwas von ihrer Kraft verlieren (und wir langsam unsere Geduld). Also entschließen wir uns zum Wagnis und versuchen den Aufbbruch. Allein das Abbauen des Zeltes ist eine schwierige Aufgabe: M. wirft sich sofort bäuchlings auf die Zeltplane, während ich die restlichen Heringe und Stangen entferne ‒ es glückt. Auf uns wartet ein Gewaltmarsch, gegen den tobenden Westwind, hinaus aus diesem ungastlichen Tal. Über unsere Köpfe rasen Wolken, gefolgt von immer größeren Sonnenfenstern. Die Gipfel erstrahlen in einem warmen Nachmittagslicht, während auf der anderen Seite des Sees die vereisten Felswände des Tsahtsa und des Vássjábákte in blauschwarzem Schatten verharren. Wir halten kaum inne, ich schlage ein hohes Tempo an und M. bleibt tapfer in meinem Windschatten. Bald ist der erste See passiert, dann der zweite, der dritte ‒ endlich nimmt der Wind ab: Am Talschluss bieten uns die Berge Windschatten. Erstmals können wir in der Abendsone die eindrucksvolle Bergkulisse, die zu beiden Seiten der Seen hoch aufragenden Felswände in Ruhe genießen. Nun aber beginnt das Ungewisse: Über die von uns beabsichtigte Umrundung des Vássjábákte bis Tarraluoppalhaben wir weder in der Literatur noch im Internet Informationen finden können. Auf der Karte scheint die Route logisch und es sind keine nennenswerten Hindernisse zu erkennen ‒ hoffentlich hält die Realität keine bösen Überraschungen bereit! Voller neugieriger Anspannung erklimmen über vom Gletscherschliff geformte Felsen die Wasserscheide. Die Hänge des Skiejákvárásj erscheinen für unser Gepäck zu steil, also müssen wir auch diesen Hügel umrunden. Am Hindernis eines kleinen Sees schummeln wir uns über den schmalen Ufersaum vorbei, dann geht es kurz links hoch über den Rücken ‒ und plötzlich tut sich vor uns die hügelige Hochebene Padjelanta auf, in schier grenzenloser Weite. Der Rest ist ein Spaziergang in der Abendsonne über weiche Heideflächen. Nahe des Sees Vássjájávrátjá errichten wir unser Zelt an einem malerischen Bächlein. Wir haben die Flucht aus dem Sturm geschafft.

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langsam lässt der Wind nach…

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das befestigte Zelt

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Aufbruch gegen den Wind

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über Blockhalden

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…und Wiesen

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Tsahtsa mit Neuschnee

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Bulkas

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Rückblick mit Bulkas

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Tsahtsa mit dem Lulep Njoatsosjávrre

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nochmals der Bulkas in seiner ganzen Pracht

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endlich im windgeschützten Talschluss

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Abendstimmung im oberen Njoatsosvágge

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der Schatten des Vássjábakte legt sich über die Seen

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Passübergang hinaus Richtung Padjelanta, Rückblick

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Tjågnaristjåhkkå

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um die Kante wartet der Padjelanta

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weiter Ausblick über den Padjelanta

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Abendstimmung an den Hängen des Vássjábákte

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am Zeltplatz

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