Lugauerüberschreitung

Mitte November 2015
M&H

Der Lugauer am südöstlichen Rand des Nationalparks Gesäuse ist ein vielgestaltiger Berg: Aus dem Nordosten kommend ragt er als unnahbare Felspyramide aus dem tief eingeschnittenen Ennstal auf, einem Eckzahn gleich. Nach Südwesten hin zeigt er indes eine gleichmäßig geneigte Grasflanke, das Lugauerplan. Über dieses verläuft der leichtere der beiden Anstiege, der auf den 2218m hohen Südgipfel führt. Etwas anspruchsvoller ist der Steig auf den etwas niedrigeren Nordgipfel (2206m), der in der steilen und felsigen Nordostflanke emporführt (Stellen I). Die beiden Gipfel verbindet ein Felsgrat mit leichten Kletterstellen (I-II), sodass sich dem trittsicheren Alpintouristen die Möglichkeit einer eindrucksvollen Überschreitung dieses formschönen Berges eröffnet.

Dieses Unterfangen setzen wir an einem sonnigen Herbsttag mitten im November in die Tat um. Von Radmer an der Hasel führt unser Weg steil bergan zum G’spitzten Stein, dem Sattel, der den Lugauer im Süden von seinem kleinen Nachbarn, dem Haselkogel trennt. Von hier aus umrunden wir über Almwiesen und Forstwege den Bergstock an seiner Westseite. Von einer Jagdhütte unter dem Scheicheckkogel führt dann der markierte Steig durch den Hochwald bis unter die schattige Westflanke. Dort gewinnen wir in leichten Kraxelpassagen, unterbrochen von Schuttrinnen und Gehgelände rasch an Höhe. Immer großartiger öffnet sich die Aussicht nach Westen auf die Gesäuseberge. Der Nordgipfel gleicht dann einer Aussichtsplattform: An die tausend Meter fallen die Felswände beinahe senkrecht zur Enns und zu Hasel ab. Von Weitem sind das Plateau des Hochschwab und der langgestreckte Rücken des Dürrenstein auszumachen. Die Gratüberschreitung zum Südgipfel ist dann reines Genusskraxeln im gebankten Dachsteinkalk, gefärbt von der Nachmittagssonne. In der Abenddämmerung laufen wir das Lugauerplan ab und steigen den Aufstiegsweg zurück nach Radmer ab.

 

 

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