Hoch hinaus in der Schobergruppe (05. – 07. 08. 2015)

Auf das Petzeck (3283m) und den Hochschober (3240m)

Dieter, M&H

Ein schönes Augustwochenende und Bergtouren in den Hohen Tauern – das ist eine feine Kombination. Da wird auch die lange Autofahrt aus Wien bis nach Lienz in Osttirol gerne in Kauf genommen, stehen doch mit dem Petzeck und dem Hochschober zwei schöne und nicht allzu schwere 3000er am Programm.

Erster Tag (Wangenitzseehütte):

Unseren Ausgangspunkt beim Seichenbrunn im Debanttal auf etwa 1700m erreichen wir am frühen Nachmittag. Vor uns steht ein kurzer aber schweißtreibender Aufstieg den Südhang hinauf zur Unteren Seescharte (2533m). Über Almwiesen gelangen wir rasch höher und können die Aussicht über das malerische Hochtal genießen. Gleich hinter der Scharte liegen zwei glasklare Bergseen, der Kreuzsee und der Wangenitzsee. Der rauschende Bach zwischen den beiden ist von einer Hängebrücke überspannt, die umliegenden Gipfel spiegeln sich im See. Bevor wir in der nahen Wangenitzseehütte (2508m) einfallen, rasten wir gemütlich oberhalb des Seeufers. Nach dem recht kargen Abendessen kriechen wir zeitig in unsere Schlafsäcke, denn für morgen ist ja größeres geplant.

Zweiter Tag (Petzeck):

Ein klarer, kühler Morgen kündigt einen hervorragenden Tourentag an. Noch sind die Schatten lang, als wir mit vollem Gepäck von der Hütte nach Norden aufbrechen. Der vom Kruckelkopf herunterstreichende Felsrücken wird auf einem versicherten Pfad umgangen, der hoch über dem Wangenitzbach den Hang quert. Nach dieser ersten unschwierigen Aufwärmübung beginnt der eigentliche Anstieg zum Petzeck (3283m): Zunächst geht es über Wiesen und Geröll das Kruckelkar hinauf, ehe sich der Pfad weiter nach rechts wendet. Wir steigen aus dem Kar auf einen felsigen Rücken, der direkt in den Aufbau des Petzecks überleitet. Schon von hier ist der ungefähre Routenverlauf durch die Felsflanke zu erahnen, der Gipfel selbst verbirgt sich noch im Hintergrund. Der Steig durch die felsige Flanke ist einfach und aussichtsreich – mit jedem Schritt öffnet sich der Blick weiter und wir kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Oben lehnt sich das Gelände unvermittelt zurück: Es folgt ein großes, sanft geneigtes Schneefeld – der ehemalige Gletscher ‒ über dem sich der felsdurchsetzte Gipfelhang erhebt. Die letzten Meter sind rasch erklommen, und so stehen Dieter und M nach knapp drei Stunden Aufstieg auf ihrem ersten 3000er.

Die Aussicht ist schier atemberaubend: Ringsum reihen sich gletscherbedeckte Berge und dunkle Felskämme aneinander wie versteinerte Wellen mit Gischtkronen. Nördlich gegenüber erstreckt sich der Hauptkamm der Hohen Tauern mit dem kühn geformten Großglockner als Wahrzeichen. Im Süden bilden sich erste Quellwolken über den Dolomitengipfeln. Wir packen unsere Jause aus und geben uns schweigend der Betrachtung dieser großartigen Berglandschaft hin.

Der Abstieg führt uns den gleichen Weg zurück, langsam zieht Bewölkung auf. Zurück beim Wangenitzsee wenden wir uns nach Westen und steigen einen guten Weg hinauf zum Kreuzschartl (2820m). Von hier überblicken wir wieder das Debanttal, in dem wir gestern unsere Tour begonnen hatten. Auf teils recht ausgesetztem Pfad queren wir nun die Hänge unterhalb des Perschitzkopfes und der Weißwandspitzen, ehe wir im Abendlicht das Steinkar ins Debanttal absteigen. In der ziemlich gut gefüllten Lienzer Hütte erwarten uns ein köstliches Abendessen und ein wohlverdientes Nachtlager.

 

 

 

Dritter Tag (Hochschober):

Allzu lang fällt die Nachtruhe ohnedies nicht aus: Beim Morgengrauen stehen wir schon mit gepackten Rucksäcken vor der Hütte. Wir folgen einem guten Weg dem Debantbach nach links biegend hinein in den Talschluss. Hier überwindet ein Steig in Serpentinen eine steile Stufe, über die der Bach als tosender Wasserfall ins Tal stürzt. Oben erreichen wir einen grünen Talgrund, von plätschernden Wasserläufen durchzogen, der den treffenden Namen „Gartl“ trägt. Hier lagern wir uns in der Sonne zum Frühstücken. Von unserem Plätzchen aus kann man bereits den Gipfelaufbau des Hochschobers (3240m) erkennen. Seiner Mächtigkeit wegen für den höchsten Berg der südlichen Hohen Tauern gehalten gab er der gesamten Gruppe seinen Namen.

Zunächst ersteigen wir über einen Grashang eine weitere Stufe, ehe uns eine lange Querung hinein in das östliche Schuttkar des Hochschobers führt. Bis hierher begleiten uns die kletterfreudigen Schafe der Tauern. Das Kar ist steil und zum Teil etwas unangenehm zu gehen, zum Glück liegt wenigstens kaum noch Schnee. Eine felsige Unterbrechung der Schutthalde ist uns willkommene Abwechslung. Endlich erreichen wir den blockigen Südostgrat des Hochschobers. In der Zwischenzeit sind bereits jetzt am Vormittag Quellwolken aufgezogen: Atemberaubende Tiefblicke tun sich nur für Sekunden auf, ehe wir wieder in nebeliges Weiß gehüllt sind. Die Blockkraxelei am Grat macht uns großen Spaß, und so sind wir beinahe enttäuscht, dass wir so rasch am Gipfel anlangen. Hier machen wir ausgiebig Mittagsrast und genießen den abwechslungsreichen Ausblick: Wolken schieben sich von Kamm zu Kam, türmen sich zusammen, werden in Fetzen gerissen. Kurz grüßt auch der Glockner herüber, dann machen wir uns an den Abstieg.

Anfangs folgt der Steig den Norwestgrat, ehe er dann nach Westen in steil in ein Schuttkar hinabführt. Ständige Konzentration auf dem rutschigen Untergrund ist hier gefragt. Wir meistern die Herausforderung mit euphorisierter Leichtigkeit und stärken uns bei der Hochschoberhütte (2322m) knapp tausend Meter unterhalb bei Suppe und Bier. Als Draufgabe steht uns noch der Rückweg über das Leibnitztörl (2591m) und den Gartlsee zurück ins Debanttal aus. Droben am Törl färbt sich der Himmel bedrohlich dunkel. Wir ahnen, dass sich hier was zusammenbraut, und beschleunigen unseren Schritt. Tatsächlich holt uns ein Regenguss auf den letzten Metern zum Auto ein, das wir klatschnass erreichen: Doch auch dieses Missgeschick kann unsere gute Stimmung und die Freude über ein großartiges Hochtourenwochenende nicht trüben.

 

 

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