Xeis: Peternpfad und Planspitze (10. – 11. 07. 2015)

M&H

Hinten im Haindlkar, wo die Latschen und Lärchen bis knapp unter die Felsen drängen, befindet sich die traditionsreiche Haindlkarhütte der Sektion Austria. Das ursprüngliche, an einen Felsblock geschmiegte Blockhaus, von dem aus die historischen Routen durch die Nordwände der Hochtorgruppe erschlossen wurden, steht inzwischen leer, es wurde vor einem halben Jahrhundert durch einen Neubau wenige Schritte oberhalb ersetzt. Bei Kaspressknödelsuppe und Bier sitzen wir auf der Terrasse und genießen nach dem flotten Aufstieg die Abendstimmung: Ringsum färben sich die Felswände langsam orange. Als ich M die Stelle gegenüber zeige, an der wir morgen die Wand zu durchsteigen beabsichtigen, schüttelt sie bloß ungläubig den Kopf: Ob ich verrückt sei? Auch ich kann mir noch nicht recht vorstellen, wie sich durch diese senkrechten Felsen ein Durchstieg bewerkstelligen lassen sollte, aber wir würden schon sehen. Allmählich klettern die Schatten höher und verlieren an Schärfe, bis sie langsam violett verfließen. Es wird kühl hier draußen, und wir ziehen uns bald ins Lager zurück – schließlich wollen wir ja morgen zeitig los.

Aufstieg ins Haindlkar

Aufstieg ins Haindlkar

Stoamanderl

Stoamanderl

im Kar, umringt von Felswänden, vlnr: Hochtor, Haindlkarturm, Festkogelturm, Ödsteinkarturm

im Kar, umringt von Felswänden, vlnr: Hochtor, Haindlkarturm, Festkogelturm, Ödsteinkarturm

zur Linken, vlnr: Planspitze, Rosskuppe, Dachl, Hochtor, Haindlkarturm

zur Linken, vlnr: Planspitze, Rosskuppe, Dachl, Hochtor, Haindlkarturm

Planspitze und Rosskuppe, Blick auf unsere morgige Aufstiegsroute

Planspitze und Rosskuppe, Blick auf unsere morgige Aufstiegsroute

etwas später...

etwas später…

....und noch etwas später

….und noch etwas später

Abendstimmung im Haindlkar

Abendstimmung im Haindlkar

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Rosskuppe und Dachl

Rosskuppe und Dachl

Der Peternpfad hat seinen Namen vom „Schwarzen Peter“, einem legendären Wilderer, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Jägerschaft jahrzehntelang zum Narren hielt: Immer, wenn man ihm auf der einen Seite des Berges auf den Fersen war, verschwand er in den Felswänden und saß Stunden später wieder beim Wirten im Tal, noch ehe seine Verfolger zurückgekehrt waren. Die direkte Verbindung zwischen dem Ennswald und dem Haindlkar, auf dem ihm dieses Kunststück gelang, wurde 1877 erstmals von Heinrich Heß, dem alpinistischen Pionier des Gesäuses, touristisch begangen – gemeinsam mit einem ortskundigen Führer, möglicherweise dem „Schwarzen Peter“ höchstpersönlich.

Von der Hütte queren wir ansteigend durch Latschen und über Schutt das Haindlkar nach Osten, wo wir durch eine steile, etwas mühsame Rinne bis unter die Felswand aufsteigen. Hier am eigentlichen Einstieg des Peternpfades frühstücken wir, während langsam die Morgensonne das Kar zu unseren Füßen erreicht. Über unseren Köpfen türmt sich gigantische Felsarchitektur in den Himmel.

Der Beginn des Peternpfades ist dann gleich richtig nach unserem Geschmack: Über ein geneigtes, schrofiges Wandl führt die gut markierte Route in leichter Kletterei (I+) hoch, ehe wir einfach aber etwas ausgesetzt in die Schlucht zu unserer Rechten queren. Bald verlassen wir sie wieder nach links auf einer plattigen Rampe, es folgt viel Gehgelände mit einigen kurzen Kletterstellen (max. I-II). Rasch gewinnen wir an Höhe und genießen den schaurigen Blick hinunter ins Ennstal. Die Schlüsselstelle, ein vorspringender Block, der ausgesetzt in fester Umarmung umklettert werden will (II), stellt uns vor keine größeren Schwierigkeiten, und wir erreichen bald die Peternscharte (2027m). Hier treten wir aus dem angenehmen Kühl des Schattens ins Sonnenlicht.

Ausblick vom Peternpfad auf den Admonter Reichenstein

Ausblick vom Peternpfad auf den Admonter Reichenstein

...und hinunter ins Ennstal, im Hintergrund die Haller Mauern

…und hinunter ins Ennstal, im Hintergrund die Haller Mauern

Buchsteine

Buchsteine

Rückblick in die Nordwand des Hochtor (li.)

Rückblick in die Nordwand des Hochtor (li.)

in der Peternscharte

in der Peternscharte

Der Weiterweg auf die nahe Planspitze fällt nach dem Nervenkitzel des Peternpfades eher unter die Rubrik „Genusswandern“. Der Ausblick von der steil zum Haindlkar und ins Ennstal abbrechenden Gipfelbastion ist ohne Worte – ausgestreckt auf den Grasmatten verbringen wir eine lange Gipfelrast, ehe wir uns an den Abstieg machen.

Gipfelblick hinunter ins Ennstal

Gipfelblick hinunter ins Ennstal

im Süden das Hochtor, hinüber führt der Rosskuppengrat (II+), der bereits auf der Wunschliste steht

im Süden das Hochtor, hinüber führt der Rosskuppengrat (II+), der bereits auf der Wunschliste steht

Ausblick nach Westen, ganz hinten Grimming und Dachstein

Ausblick nach Westen, ganz hinten Grimming und Dachstein, rechts davon Totes Gebirge und Haller Mauern

Admonter Reichenstein, auch auf der Wunschliste ;-)

Admonter Reichenstein, auch auf der Wunschliste 😉

Gipfelglück

Gipfelglück

Ödstein

Ödstein

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Auf dem Weg hinunter in den Ennswald sind kurz unterhalb des Gipfels einige Felsstufen zu überwinden, die aber weitgehend mit Drahtseilen versichert sind (I und A); danach geht es steil aber einfach über Grasmatten, durch Latschen und schließlich durch den Lärchenwald bis auf die Ebnesangeralm. Über idyllische Blumenwiesen und entlang an einem erfrischenden Bächlein gelangen wir zum Steilabbruch hinunter ins Ennstal: Der wird auf dem Wasserfallweg (B) schwindelnd aber dank Leitern und Stahlseilen einfach und gut gesichert überwunden, sodass wir am Nachmittag zurück im Tal sind und unsere müden Füße im eisigen Johnsbach erfrischen können.

kurz unterhalb des Gipfels

kurz unterhalb des Gipfels

noch einmal derTiefblick ins Ennstal

noch einmal derTiefblick ins Ennstal

am Wasserfallweg

am Wasserfallweg

Rückblick auf die Felswände oberhalb des Wasserfallweges

Wasserfallweg, Rückblick auf die Felswände, die hier rechts umgangen werden

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