Auf Skiern durch Lapplands Wildnis (09. – 24. 03. 2015) – Teil II: Durch die Täler des Sarek

M&H. Katalanische Version folgt.

Zweiter Teil: Durch die Täler des Sarek (15.‒19. März)

Vom ersten Teil unserer Tour, wie wir vom Áhkka bis in das Ruohtesvágge gelangten, ist hier zu lesen.
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Siebenter Tag:
Wie wir durch das Ruohtesvágge nach Skarja, zum Treffpunkt der großen Täler gelangten

Tatsächlich hat der Ostwind sein Versprechen gelten: Als wir morgens erwachen, ist es noch immer eiskalt und der Himmel klar. Im Westen berührt die Morgensonne gerade die ersten Gipfel. Wir warten mit dem Aufstehen, bis die Sonnenstrahlen unser Zelt erreichen, und packen dann zügig zusammen. Heute wollen wir dem Ruohtesvágge südwärts folgen, immer leicht bergab, bis nach Skarja, dem Mittelpunkt des Nationalparks. Die Schneeoberfläche ist hart überfroren und spiegelt im Sonnenlicht. Bald legen wir unsere Felle ab und tragen blaues Wachs auf die Steigzonen unserer Ski, um ihre Gleiteigenschaften voll nutzen zu können – die Bedingungen sind perfekt. Ohne spürbaren Kraftaufwand gleiten wir am Talgrund dahin, ein wahrer Genuss. Die Bergkulisse, besonders die Sarekkette zu unserer Linken verändert sich mit jedem Augenblick: An uns ziehen schroffe Gipfel, überwechtete Grate und tief eingeschnittene Schluchten herabstürzender Gebirgsbäche vorbei. Als wir in der Mittagspause im kurzärmeligen Wollleibchen auf unseren Rucksäcken sitzen und Tee trinken, fühlen wir uns erstmals wie auf einer Frühlingsskitour.

Am Nachmittag weitet sich allmählich das Tal und wir erreichen Skarja: Hier münden von Westen her die beiden Täler Guohpervágge und Álggavágge mit dem Ruohtesvágge zusammen und bilden gemeinsam das Rapadalen, das Haupttal des Sarek. Dis Schlucht, in der im Sommer der tosende Smájilajåhkå ins Tals stürzt, ist nun meterhoch überwechtet. Die kleine Schutzhütte bei der Brücke ist freigeschaufelt und sauber. Zwar ist sie nicht beheizbar, doch auf den beiden Pritschen finden wir bequem Platz, und bald verbreitet Kerzenlicht eine behagliche Atmosphäre. Draußen streunt ein Fuchs umher, wohl in der vergeblichen Hoffnung von uns etwas Fressen zu klauen. Das alte Naturgesetz, dass Schutzhütten ohne Beheizung immer kälter bleiben als ein Zelt, bewahrheitet sich auch diese Nacht.

Gisuris in Morgenstimmung

Gisuris in Morgenstimmung

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Ruohtesvágge noch im Schatten

Ruohtesvágge noch im Schatten

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langsam kriecht die Sonne zur Rentierwächterhütte beim Ruohtesvárasj herab

beim Wachsen der Skier

beim Wachsen der Skier

im Ruohtesvágge, unterhalb des Gavelberget

im Ruohtesvágge, unterhalb des Gavelberget

Ruohtes

Ruohtes

Hochstimmung

Hochstimmung

im oberen Ruohtesvágge

im oberen Ruohtesvágge

Ruohtes

Ruohtes im Zoom

die Sarekkette zu unserer Linken

die Sarekkette zu unserer Linken

Wildbachschluchten

Wildbachschluchten

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Vargtoppen

Vargtoppen

Blick zurück nach Norden

Blick zurück nach Norden

Mittagsrast I

Mittagsrast I

Mittagsrast II

Mittagsrast II

weiter geht's

weiter geht’s

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das Tal weitet sich gegen Skarja

das Tal weitet sich gegen Skarja

Jallok

Jallok

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Skarja voraus

Skarja voraus

Máhutjahkka

Máhutjahkka

Ankunft in Skarja

Ankunft in Skarja

Schlucht des Smájilájahka

Schlucht des Smájilájahka

die höchsten Gipfel des Sarek

Rückblick ins Ruohtesvágge

Abendstimmung in Skarja

Abendstimmung in Skarja

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die höchsten Sarekgipfel

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Abendrot hoch über dem Rapadalen

Abendrot hoch über dem Rapadalen

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Achter Tag:
Von der Bändigung wilder Schlitten und unserer Rückkehr ins Reich der Schneehühner

Am Morgen haben wir diesmal schnell unsere sieben Sachen zusammengepackt und sind aufbruchsbereit: Draußen scheint erneut die Sonne vom blitzblanken Himmel, die kontinentale Wetterstimmung hält an. Nach einem besonders schokoladigen Haferbrei machen wir uns schon früh auf den Weg, gleich zu Beginn steht die Abfahrt ins Rapadalen an. Nach unserer Erfahrung der letzten Tage rechnen wir damit ohne Schwierigkeiten bald unten zu sein, doch wir haben diese Rechnung ohne den Hang gemacht: Der ist nämlich in seiner unteren Hälfte deutlich steiler, als man aus der Karte vermuten würde, und zudem ist die Schneeoberfläche ziemlich eisig. Nachdem es mich zum zweiten Mal auf das Hinterteil gesetzt hat, beschließen wir einigermaßen entnervt unsere Ski gegen Schneeschuhe zu tauschen. Nun haben zwar unsere Füße guten Halt, doch die Pulken drohen ständig sich selbstständig zu machen, uns zu überholen oder umzustürzen. In den steilsten Passagen müssen wir sogar verkehrt herum anschnallen, sodass sie uns stattdessen voran nach unten ziehen. Bis wir die 150 Höhenmeter schließlich überwunden haben, vergeht eine volle mühsame Stunde.

Im Talgrund angekommen ist zum Glück wieder gleiten auf Skiern angesagt. Wir experimentieren ein wenig mit Wachsmischungen: Im Laufe des immer wärmer werdenden Tages muss der Anteil des violetten Steigwachs laufend erhöht werden, um guten Halt zu gewährleisten. Während zu Beginn die hart überfrorene Schneedecke ausgezeichnet trägt und wir flott dahingleiten, wird der Schnee schon am späteren Vormittag immer weicher, und nach der Mittagspause kommen wir im feuchten Sulzschnee nur mehr halb so schnell voran. Das Panorama entschädigt allerdings für alle Mühen: Zunächst dominiert der Bieribakte, der auffälligste Gipfel des Ähpármassivs die Aussicht im Norden, ehe sich uns die gigantische Felswand des Lådebákte in den Weg stellt, den wir südlich umrunden. Hier erreichen wir auch nach mehreren baum- und strauchlosen Tagen wieder lichten Birkenwald. Da wo sich der Rapädno mühsam am Lådebákte vorbei gegraben hat vermeiden wir den Flusslauf und weichen auf den rechten Hang aus: An dieser Stelle fließt das Wasser zu schnell, um eine vertrauenserweckende Eisdecke entstehen zu lassen. Im Wald treffen wir auf unzählige verschiedene Tierspuren, auch Schneehühner sitzen dutzendweise in den Zweigen. Erst spät am Nachmittag errichten wir unser Lager auf der Uferböschung kurz vor der Einmündung des Sarvesvágge. Eine knappe Stunde später duften schon Kürbiscremesuppe und ein würziger Linseneintopf im Vorzelt.

Morgen in Skarja

Morgen in Skarja

die kleine Schutzhütte

die kleine Schutzhütte

Sarek

Sarek

Rückblick ins Ruohtesvágge

Rückblick ins Ruohtesvágge

Beginn der Abfahrt

Beginn der Abfahrt is Rapadalen

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mühsam den Hang hinunter

mühsam den Hang hinunter

Beginn des Rapadalen, Blick nach Nord

Beginn des Rapadalen, Blick nach Nord

Beginn des Rapadalen, Blick nach Süd

Beginn des Rapadalen, Blick nach Süd

ab nun geht's gemütlich dahin

ab nun geht’s gemütlich dahin

Blick auf das Ähpármassiv mit dem Bieribakte

Blick auf das Ähpármassiv mit dem Bieribakte

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im oberen Rapadalen

im oberen Rapadalen

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Gegenlicht

Gegenlicht

Rast an der Talbiegung

Rast an der Talbiegung

wieder im Birkenwald

wieder im Birkenwald

Blick auf die Einmündung des Sarvesvágge

Blick auf die Einmündung des Sarvesvágge

Jagasjgaskatjahkka

Jagasjgaskatjahkka

unter dem Laddebákte

unter dem Laddebákte

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Bielloriehppe

Bielloriehppe

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Ausblick Richtung Rapaselet

Ausblick Richtung Rapaselet

Neunter Tag:
Wie wir das Rapaselet durchqueren

Über Nacht hat der Wind wieder ein wenig auf West gedreht, über den Bergen hängen Wolken. Da unter diesen Umständen eine Gipfeltour nicht infrage kommt, ziehen wir weiter. Bald allerdings setzt sich wieder der Sonnenschein durch, und wir können die Fahrt durch das nunmehr stark geweitete Tal so richtig genießen. Unsere heutige Etappe führt uns durch das Rapaselet, eine weit verzweigte Deltalandschaft, die im Sommer beliebter Lebensraum für viele Tiere, besonders Elche ist. Nur jetzt allerding, wo die Wasseroberflächen zugefroren sind, ist es möglich, sich in diesem Geäst aus Wasseradern zu bewegen. Wir stoßen hier auf die Spur eines Hundegespannes, die uns bei den weichen Schneeverhältnissen sehr willkommen ist. Ein entgegenkommender schwedischer Skiläufer bestätigt uns, dass auch im unteren Bereich des Rapädno, den wir morgen passieren wollen, trotz einiger offener Wasserstellen gut durchzukommen ist. Am Nachmittag trübt sich der Himmel von Norden etwas ein. Wir setzen unseren Marsch aber fort und erreichen am Frühen Abend den guten Zeltplatz an der Mündung des Gådokjåhkå, wo ich mit David und Dieter bereits im letzten Jahr gelagert habe. Heute Abend brauchen wir ausnahmsweise kein Trinkwasser aus Schnee schmelzen, da sich unweit der Mündung an einer offenen Stelle am Flussufer Wasser schöpfen lässt. In der Nacht können wir schöne Nordlichter beobachten: Durch die partielle Bewölkung wird ihr Schein zum Teil gebrochen und schafft eine bezaubernde Lichtstimmung.

Skarki

Skarki

Rückblick auf das Tjelma und die Einmündung des Sarvesvágge von links

Rückblick auf das Tjelma und die Einmündung des Sarvesvágge von links

Laddebákte

Laddebákte

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im Rapaselet, rechts das Bielloriehppe

im Rapaselet, rechts das Bielloriehppe

Rückblick

Rückblick

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das Tal weitet sich

das Tal weitet sich

aus dem Norden zieht eine Wolkenfront auf

aus dem Norden zieht eine Wolkenfront auf

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erste offene Wasserstellen an den Stromschnellen

erste offene Wasserstellen an den Stromschnellen

Ausblick Richtung Tjahkelij ins Deltaland

Ausblick Richtung Tjahkelij ins Deltaland

aurora borealis VII

aurora borealis VII

aurora borealis VIII

aurora borealis VIII

Zehnter Tag: Durch das Deltaland des Rapädno          

Nach langen gestrigen Etappe erwachen wir heute erst, als die ersten Sonnenstrahlen unser Zelt erreichen. Draußen ist es frühlingshaft warm und der Rapädno plätschert munter vor sich hin. Oft zwingen uns offene Stellen im Eis, die Flussseite zu wechseln. Als sich der Lauf zu verzweigen beginnt, halten wir uns immer in der Nähe des Hauptarmes und verlassen die Hundeschlittenfährte: Die Spur war zuletzt so tief und holprig, dass sie keine Hilfe beim Vorankommen mehr bot. Vor uns tauchen die mächtigen Felsklötze des Nammatj, des Tjahkelij und des Skierffe auf, die über dem Deltaland des Rapädno wachen. Schon um die Mittagszeit ziehen dünne Schleierwolken auf und trüben den Sonnenschein. Im Gewirr der verwundenen Flussarme, Seen und Sümpfe ist es schwierig, den Überblick zu behalten, doch die Richtung ist klar: Vor uns, zwischen den Felswänden des Skierffe links und des Tjahkelij rechts öffnet sich schon der Blick auf die Nadelwälder am Laitaure. Immer wieder müssen wir über kleine gestrüppbestandene Geländewellen, die Ufersäume der Wasserflächen. Bei einer solchen Gelegenheit ist M. etwas zu ungestüm, verheddert sich mit den langen Skiern und liegt plötzlich auf der Nase. Anders als bei derartigen Missgeschicken in den letzten Tagen ist ihr aber diesmal nicht zum Lachen zumute: Das linke Knie ist ordentlich angeschlagen und schmerzt bei Bewegung. Zum Glück ist nichts gebrochen, und auch die Bänder scheinen ganz zu sein. Dennoch verlangen ihr die letzten Kilometer nach Aktse einiges an Leidensfähigkeit ab. Entsprechend erleichtert sind wir, als wir am späten Nachmittag den alten Bauernhof und die Fjällhütte erreichen. Davor lagern die Hundegespanne, denen wir an den letzten beiden Tagen die Spur verdanken. Nach mehr als einer Woche im Zelt erwartet uns nun eine beheizbare, gemütliche Stube: Bald knistert ein Feuerchen im gusseisernen Ofen, unsere vereisten Klamotten tropfen vor sich hin und es duftet nach Linseneintopf, zur Feier des Tages mit einer Extraration Speck. M’s Knie erhält einen Verband und wir machen es uns um den warmen Herd gemütlich. Später kommt noch ein finnisches Paar an, das am Kungsleden unterwegs ist und wir genießen plaudernd noch eine Weile die ungewohnte Gesellschaft.

am Gadokjahka

am Gadokjahka

eine Schneebrücke

eine Schneebrücke

Ausblick ins Deltaland, dahinter der Vájggántjahkka

Ausblick ins Deltaland, dahinter der Vájggántjahkka

Rückblick

Rückblick

Die Wächter des Deltalandes

Die Wächter des Deltalandes

am Wasser

am Wasser

Rückblick ins Rapadalen

Rückblick ins Rapadalen

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Skierffe, Nammatj, Tjahkelij

Skierffe, Nammatj, Tjahkelij

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im Deltaland

im Deltaland

Nammatj

Nammatj

Tjahkelij

Tjahkelij

Skierffe

Skierffe

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Abendstimmung bei Aktse

Abendstimmung bei Aktse

aurora borealis IX

aurora borealis IX

aurora borealis X

aurora borealis X

aurora borealis XI

aurora borealis XI

aurora borealis XII

aurora borealis XII

Elfter Tag:
Wie wir einen Faulenztag am gemütlichen Herdfeuer verbringen

Heute gönnen wir uns und M’s Knie einen Ruhetag ‒ das Wetter draußen ist ohnedies nicht so besonders: Warm, trüb, und immer wieder gehen Schneeschauer nieder. Beste Verhältnisse also, um die Natur aus dem Fenster der warmen Stube aus zu genießen und einen Faulenztag mit lesen, Essen und Schlafen zu verbringen. Da wir das beide in Wirklichkeit nicht besonders lange aushalten, machen wir am späteren Nachmittag, als der Himmel kurz etwas freundlicher scheint, einen kleinen Skiausflug hinunter an den See. Kaum zu glauben, wie mühelos wir ohne die Last der Pulken selbst im patzigen Neuschnee dahingleiten!

Am Abend brüten wir darüber, in welche Richtung uns der Weiterweg am Kungsleden führen sollte: Durch den Wald nach Kvikkjokk im Süden, oder über Hochfjäll in die andere Richtung nach Saltoluokta. Von beiden Zielen würde uns ein Linienbus zurück zu unserem Pünktchen in Ritsem bringen. Nach einigem Hin- und her entscheiden wir uns für die aussichtsreichere nördliche Variante und legen uns schlafen, nicht ohne erneut Polarlichter beobachtet zu haben.

Aktse

Aktse

>> zur Fortsetzung.

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