In den (fast) winterlichen Kahlmäuern II (14. 12. 2014)

Über den höchst bemerkenswerten Umstand, dass im Nordwesten mehr Schnee liegen bleibt. Oder: Wie A. und ich im Dezember zu einer Frühlingstour aufbrachen, und schließlich doch (fast) den Winter fanden.

Mitte Dezember mit Dieter auf der Wildfährte durch die Kahlmäuer – das war eine meiner eindrücklichsten Touren des vergangenen Jahres. Bei recht winterlichen Verhältnissen war damals für Herausforderung und alpine Stimmung gesorgt . Diesen Dezember hingegen hatten milde Temperaturen das Bisschen Schnee, das seit dem Herbst in den Wiener Hausbergen gefallen war, auf kärgliche Reste zusammengeschmolzen. Sonnenschein und warmer Fön verhießen für die Monatsmitte angenehme Bedingungen für eine erste frühwinterliche Bergtour. Dieses Mal begleitete mich A., mit der ich im Sommer schöne Touren an Hochschwab und Warscheneck unternommen hatte.

Unsere erste Überraschung wartete bereits im Talschluss von Hinternasswald: Trotz des frühlingshaften Wetters lagen noch Schneeflecken auf den Feldern, und ein Blick in die Wand verriet: an Nordwestecke der Rax lag deutlich mehr Schnee, als von uns erwartet. Na – das konnte ja noch heiter werden! Die Forststraße, die uns bis zum Wandfuß führte, wurde mit jedem Schritt weißer, und als wir auf einem Fußpfad in den Wald hinein abzweigten, stapften wir bald durch knietiefen Schnee. Keine menschliche Spur war zu sehen. Stattdessen wiesen Gamsfährten den Weg – die Wildfährte machte ihrem Namen alle Ehre. Warum hatten wir eigentlich unsere Schneeschuhe zuhause gelassen? – Egal, bald würde es ohnedies steiler werden, in den Kahlmäuern war bestimmt weniger Schnee liegengeblieben…

Diese Hoffnung ging in Erfüllung: Zwar begleitete uns im gesamten Verlauf der Wildfährte Schnee, aber viel weniger als im Vorjahr, und vor allem gab es kaum Eis. Lediglich die sulzige Schneebeschaffenheit im unteren Teil und die dadurch rutschigen Felsen erforderten erhöhte Aufmerksamkeit. In etwas über zwei Stunden durchstiegen wir die Kahlmäuer und stapften anschließend im schönsten Sonnenschein über das Raxplateau bis zum Habsburghaus. Von dort wählten wir als Abstieg den uns beiden noch unbekannten Kaisersteig. Die Ausblicke von diesem malerischen Steig passten bestens zum nachmittäglichen Kaiserwetter, sodass wir den Ausklang unserer Tour in vollen Zügen genießen konnten.

Den winterlichen Aufstieg über die Wildfährte habe ich bereits letztes Jahr ausführlich beschrieben – nur zweierlei ist hier hinzuzufügen:

Zum einen, dass der etwas verfallene Steig in der Zwischenzeit neu in Stand gesetzt wurde: Die alte Wegführung wurde dabei beibehalten, die ausgesetzten Stellen sind nun aber alle vorbildlich mit Stahlseil versichert. Die historischen Eisenketten fielen der Renovierung leider zum Opfer. Besonders die im letzten Jahr als heikel empfundene Stelle im oberen Teil wurde durch das neue (etwas weiter unten ansetzende) Seil entschärft.

Zweitens muss darauf hingewiesen werden, dass der Steig nun im Winter offiziell gesperrt ist. Tatsächlich besteht bei Schneelage und Eis auf weiten Strecken Absturz- und Lawinengefahr. Auch die neuen Seilversicherungen werden im Winter häufig unter Schnee begraben sein. Mit einem normalen Klettersteig hat eine echte Winterbegehung der Wildfährte daher wenig zu tun.

A. am Einstieg

A. am Einstieg

im mittleren Teil

im mittleren Teil

Blick Richtung Habsburghaus

Blick Richtung Habsburghaus

Schneealpe

Schneealpe

Gamseck mit Grat

Gamseck mit Grat

im oberen Teil

im oberen Teil

Rückblick nach Hinternasswald

Rückblick nach Hinternasswald

Raxplateau, Blick nach Nord

Raxplateau, Blick nach Nord

Predigtstuhl

Predigtstuhl

Bärengrube und Habsburghaus

Bärengrube und Habsburghaus

Schneedecke

Schneedecke

Ötscherblick

Ötscherblick

Kahlmäuer vom Kaisersteig

Kahlmäuer vom Kaisersteig

Nachmittagssonne

Nachmittagssonne

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