Herbstbeginn an der Nordseite des Hochschwab (28. 09. 2014)

Von Wildalpen auf die Schaufelwand und über die Höll und den Teufelssee zurück.

Mit Sebastian und Dieter.
Pünktlich zum ersten Herbstwochenende hat sich stabiles Hochdruckwetter eingestellt: In den Tälern hängt noch der Nebel, doch darüber ist die Luft klar – so klar, wie nur an wenigen Tagen im Jahr. Messerscharf zeichnen sich die Felsformationen der Preinerwand ab, als wir den Semmering hochfahren. Wir, das sind Sebastian (Basti), Dieter und meine Wenigkeit. Endlich, fast  fünf Jahre nach unserer letzten gemeinsamen Raxtour, haben wir uns wieder zu einer Bergtour zusammengefunden: Als Gebiet wählten wir diesmal den Basti noch unbekannten Hochschwab, genauer gesagt einen Aufstieg von Wildalpen an der romantischen und wenig besuchten Nordseite.

Vom Parkplatz bei den Wiener Wasserwerken (in Wildalpen hat die zweite Wiener Hochquellleitung ihren Ursprung) geht es gleich recht zügig zunächst auf einer Straße, dann auf Fußwegen durch den Hochwald bergauf. Wir haben uns viel Neues zu erzählen, und so vergeht der Aufstieg im wie Flug: Bald haben wir die Waldgrenze erreicht und überblicken vor uns die dramatische Felskulisse der Griesmauer, des Ebensteins und der Schaufelwand, unseres heutigen Gipfelziels. In einem weiten Bogen geht es an ihrem Fuß nach Westen, hinauf zum Schafhalssattel. Noch genießen wir den kühlen Schatten, während zu unserer Rechten der herbstlich goldgelbe Lärchenmischwald bereits im Morgenlicht steht. Dann und wann ist das Röhren eines Rothirsches zu hören.

Blick Richtung Schafhals und auf den Brandstein

Blick Richtung Schafhals und auf den Brandstein

Noch vor der Mittagszeit erreichen wir den Sattel, von dem aus sich zum ersten Mal ein Ausblick über die weiten Almen im Süden eröffnet: Dort haben Dieter, David und ich noch im Februar unsere Ausrüstung für Skandinavien getestet, wie anders die Landschaft doch ohne Schnee aussieht! Wir lassen etwas Gepäck zurück, dann steigen wir weglos nach Osten in Richtung unseres Gipfelziels auf. Die zwingende Route führt uns zunächst über Grasmatten, dann über Geröll, ehe wir ein ausgeprägtes grasbewachsenes Plateau erreichen, das nach Süden hin jäh in steilen Wänden abbricht – hier oben fänden sich phantastische Zeltplätze.

Rückblick in den Sattel

Rückblick in den Sattel

Nun sehen wir den kühn geformten Gipfel unmittelbar vor uns, es trennt uns nur noch ein kurzer, felsiger Grat. Der wartet mit hübschen Kletterstellen (I+) auf, ist aber mit gelben Punkten gut markiert, sodass wir bald den Vorgipfel, und über eine kleine Scharte und die etwas ausgesetzte Schlüsselstelle das Gipfelkreuz erreichen.

Felsabbruch und Blick nach Süden Richtung Tauern

Felsabbruch und Blick nach Süden Richtung Tauern

am Anfang des Westgrates

am Anfang des Westgrates

Griesmauer

Griesmauer

kurz vor dem Gipfel

kurz vor dem Gipfel

am Gipfel

am Gipfel

Hier machen wir ausgiebig Mittagsrast und genießen die gute Fernsicht und den spektakulären Tiefblick auf den schwierigeren Ostgrat.

Ebenstein

Ostgrat und Ebenstein

Gipfelpanorama nach Westen

Gipfelpanorama nach Westen

Gipfelrast

Gipfelrast

Danach geht es wieder zurück in die Scharte, und mit dem wiederaufgenommenen Gepäck unterhalb des Brandsteins weiter zum Androthtörl.

Basti am Westgrat

Basti am Westgrat

Schlüsselstelle

Schlüsselstelle

Die verlassenen Almen wirken in der Nachmittagssonne wie verzaubert. Über einen markierten Steig steigen wir zunächst in Richtung Brandstein auf, schlagen uns aber dann links haltend in die Latschen und kämpfen uns zum Höllsattel durch. Von dort aus gelangen wir auf einem verfallenen, teils mit roten Punkten markierten Almweg zunächst zur aufgelassenen Höllalpe, und dann steil hinunter zum Teufelssee, dem ich dieses Jahr bereits im Sommer einen Besuch abgestattet habe. In der bereits einsetzenden Abenddämmerung wirkt der kleine, dunkle Bergsee in seinem tief eingeschnittenen Kessel besonders unheimlich.

Teufelssee I

Teufelssee I

Teufelssee II

Teufelssee II

Durch den Wald schlagen wir uns auf einen Forstweg durch, dem wir im Mondlicht bis zurück zu unserem Ausgangspunkt folgen. Am Ende unserer Runde durch die Einsamkeit der herbstlichen Schwabennordseite – wir begegneten keiner Menschenseele – stehen 2000 Höhenmeter und fast 30 Kilometer zu Buche.

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