Spätwinter im Sarek (05. – 25. 03. 2014) – Teil III: Vom Deltaland bis nach Kvikkjokk

Wie wir gegen die lappländischen Winterstürme kämpften und wie endlich wieder die Sonne zum Vorschein kam, ist im ersten und im zweiten Teil unseres Reiseberichtes nachzulesen. Im folgenden dritten Teil wird berichtet, wie wir dem Rapädno durch sein Mündungsdelta nach Aktse folgen, dort die schwindelnde Felsklippe des Skierffe von ihrer Rückseite bezwingen, und dann über den Kungsleden an unseren Ausganspunkt Kvikkjokk zurückkehren. Auch von einem Gelage und unserer Heimreise samt Lagerfeuerabend wird kurz die Rede sein…

 

Elfter Tag (18. März):
Wie wir das Deltaland durchqueren und in Aktse einen riesigen Kessel Linseneintopf kochen
Bei -28°C Morgentemperatur zögern wir das Aufstehen und Packen lange hinaus. Erst als die Sonne beginnt, das von innen vereiste Zelt auf erträgliche -12°C aufzuwärmen, können wir uns zum Aufstehen durchringen. Kurz vor elf Uhr ist schließlich alles gepackt und wir marschieren im strahlenden Sonnenschein weiter, diesmal den Rapädno flussabwärts.

am Rapädno, Rückblick zum Gådoktjåhkkå

am Rapädno, Rückblick zum Gådoktjåhkkå

David vor dem Lulep Spádnek

David vor dem Lulep Spádnek

Blick ins Delta mit den Felsklötzen Nammasj und Tjahkkelij

Blick ins Delta mit den Felsklötzen Nammasj und Tjahkkelij

Die ersten Kilometer kommen wir am gut zugefrorenen Hauptarm rasch voran, doch noch bevor wir den mächtigen Felsklotz des Nammasj erreichen, sind heikle Stellen zu queren und wir verfransen uns etwas in den nördlichen Nebenarmen und Mooren. Mehrmals müssen wir auf Schnee- oder Eisbrücken offenes Wasser queren.

über dünnes Eis

über dünnes Eis

David am offenen Wasser

David am offenen Wasser

Dieters Rutschpartie über die Schneebrücke

Dieters Rutschpartie über die Schneebrücke

ein letzter Blick zurück auf die Gebirgskulisse

ein letzter Blick zurück auf die Gebirgskulisse

...und voraus ins Deltaland

…und voraus ins Deltaland

Der Weiterweg durchs Delta ist zwar landschaftlich wunderschön, aber wir sind schon ziemlich erschöpft und mein Magen etwas angeschlagen.

Skierffe und Nammasj

Skierffe und Nammasj

über Moore und Sümpfe - im Sommer ist hier kein Durchkommen!

über Moore und Sümpfe – im Sommer ist hier kein Durchkommen!

unterhalb des Nammasj

unterhalb des Nammasj

Blick zurück: Nammasj

Blick zurück: Nammasj

Südwand des Skierffe

Südwand des Skierffe

auf den Laitaure hinaus, Blick zurück

auf den Laitaure hinaus, Blick zurück

Abendlicht am Skierffe

Abendlicht am Skierffe

Unterhalb der Felsklippen des Skierffe ziehen wir auf den Laitaure hinaus und erreichen gegen fünf Uhr nachmittags die Hütten in Aktse.

Aktse

Aktse

Aktse

Hütten am Waldesrand – wieder Zivilisation!

Wir sind zur Zeit die einzigen Gäste (später stößt noch ein weiterer Wanderer aus Deutschland hinzu) und bekommen umgehend ein Zimmer zugewiesen. Den sehr hübschen Kochbereich mit dem zentralen Holzofen haben wir für uns allein, und so beginnen wir unsere Sachen zum Trocknen auszubreiten. Sogar Feuer war gleich bei unserer Ankunft für uns gemacht worden, sodass es bald sehr, sehr gemütlich in der Stube wird. Während wir die Sache mit der aufgebrochenen Renwächterhütte mit der freundlichen Hüttenwirtin besprechen (sie reagiert sehr verständnisvoll und hilfsbereit) köchelt am Ofen schon ein großer Topf mit Linseneintopf, den wir aus 800g (!) roter Linsen, 2 Packungen Tomatensuppe, Suppenwürfeln, mehreren Wurst- und Trockengemüserationen und reichlich Pfeffer angerührt haben. Nicht einmal Dieter schafft es heute Abend, den Topf zu leeren, und so bleibt eine Portion für das Frühstück übrig. Beim Zähneputzen können wir erstmals auf dieser Tour Polarlichter beobachten, die aber aufgrund des Hügels hinter der Hütte nur schwach wahrnehmbar sind.

Nordlichter über Aktse

Nordlichter über Aktse

 

Zwölfter Tag (19. März):
Wie wir die schwindelnde Felsklippe des Skierffe besteigen und am Abend Polarlichter beobachten
Am heutigen Morgen beschließen wir aufgewärmt und ausgeruht den Skierffe zu besteigen, den 1179m hohen Hausberg von Aktse, der mit einer eindrucksvollen Südwand ins Delta abbricht. Wir haben mit der Hüttenwirtin abgesprochen, dass wir heute bis zum Nachmittag in der Hütte bleiben dürfen – es ist ohnedies nichts los. So würden wir nach unserer Rückkehr vom Gipfel noch ein Essen bereiten und dann gemütlich weiterziehen können, das ist jedenfalls unser Plan. Entgegen unseres Vorsatzes hält es uns bis nach sieben in den warmen Federn, sodass wir erst kurz vor acht loskommen.

Morgenlicht am Tjahkkelij

Morgenlicht am Tjahkkelij

Wir folgen in etwa dem Sommerweg steil den Wald hoch und beginnen an der Waldgrenze, wo die Steigung nachlässt, nach Westen zu queren. Dieter ist heute im Sparmodus unterwegs, sodass David und mir reichlich Gelegenheit zu Photostops bleibt.

an der Waldgrenze

an der Waldgrenze

auf der Querung nach Westen

auf der Querung nach Westen

ich

ich

Findling

Findling

Die lange Hangtraverse bis zum Sliengetjåhkkå zieht sich etwas in die Länge. Inzwischen hat die Temperatur -10°C erreicht und im Sonnenschein ist es schon recht angenehm.

Blick auf den Gipfelhang

Blick auf den Gipfelhang

Es folgt ein kleiner Kessel, ehe der Gipfelanstieg über den sanft geneigten Nordhang des Skierffe beginnt. Bereits vor elf Uhr erreichen wir den Gipfel und erleben schaudererregenden Tief- und erhebende Fernblicke.

Blick ins Rapadalen, in der Mitte der Nammasj

Blick ins Rapadalen, in der Bildmitte der Nammasj

Delta

Delta

David an der Kante

David an der Kante

zum Glück keine Wechte

zum Glück keine Wechte…

Tjahkkelij

Tjahkkelij

David und Dieter am Gipfel

David und Dieter am Gipfel

Übersicht übers Delta

Übersicht übers Delta

Gipfelphoto

Gipfelphoto

on the edge...

on the edge…

Rückblick in den Sarek

Rückblick in den Sarek

Der Rückweg ist aufgrund der Traverse etwas mühsam, da auf mehreren Kilometern nur der bergseitige Fuß belastet wird.

am Rückweg

am Rückweg

Gegen ein Uhr sind wir in Aktse zurück und beginnen eine warme Mahlzeit zu bereiten, die Hüttenwirtin schenkt uns dazu Kartoffelknödel, die beim Mittagessen ihrer Familie übriggeblieben sind – nach zwei Wochen ohne Kartoffeln ein Hochgenuss! Am späteren Nachmittag brechen wir endgültig auf und überqueren in der Abendsonne den Laitaure – nach den letzten elf Tagen ist die breite Spur des Kungsleden doch recht ungewohnt.

Laitaure in der Nachmittagssonne

Laitaure in der Nachmittagssonne

am Kungsleden

am Kungsleden

Auf der anderen Seeseite steht eine kleine Hütte, ein Vindskydd, mit drei Holzbänken, einem Tisch und einer Tür. Aus Bequemlichkeit entschließen wir uns darin zu nächtigen – ein grober Fehler, wie wir bald merken sollten: Nachdem die Sonne untergegangen ist, wird es rasch sehr, sehr kühl, und im Gegensatz zum Zelt lässt sich so eine Hütte zu dritt kein bisschen erwärmen. Ganz im Gegenteil kriecht uns hier auf den Bänken die Kälte in den Rücken, trotz 3cm Isomatten, während im Zelt der Schneeboden angenehm isoliert. Kurzum: die Nacht wird ziemlich ungemütlich, und viel zum Schlafen kommt keiner von uns. Dafür haben wir diesmal Gelegenheit, phantastische Nordlichter vor der Kulisse des Laitaure-Deltas zu beobachten…

Nordlicht über dem Laitaure-Delta I

Nordlicht über dem Laitaure-Delta I

Nordlicht über dem Laitaure-Delta II

Nordlicht über dem Laitaure-Delta II

Nordlicht über dem Laitaure-Delta III

Nordlicht über dem Laitaure-Delta III

Nordlicht über dem Laitaure-Delta IV

Nordlicht über dem Laitaure-Delta IV

Nordlicht über dem Laitaure-Delta V

Nordlicht über dem Laitaure-Delta V

Nordlicht über dem Laitaure-Delta VI

Nordlicht über dem Laitaure-Delta VI

 

Dreizehnter Tag (20. März):
Wie auf ausgetrampeltem Wege die Entfernung schwindet und sich der Kreis schließt

Nach dieser frostigen Nacht ist die Luft draußen. Mit den schönen Nordlichtern gestern war gewissermaßen eine Lücke geschlossen, ein Abschluss erreicht worden. Die Idee, statt den ausgefahrenen Winterweg über die Seen zu wählen zum Sommerweg aufzusteigen ist rasch verworfen, wir sind müde, durchfroren und freuen uns auf Kvikkjokk. Also nehmen wir die Beine unter die Arme und ziehen los Richtung Westen.

am Tjahkkelij vorbei

am Tjahkkelij vorbei

Zunächst über den aufgestauten Tjaktjajaure, bei dem durch das winterliche Ablassen des Wassers haushohe Eishügel entstanden waren. Bald verlassen wir diese Narbe in der Landschaft und queren urige Nadelwälder und malerische Seen. Der Himmel ist heute von hohen Wolken bedeckt, doch die stabile Wetterlage hält an.

am Rittak

am Rittak

Blick ins Kablafjäll

Blick ins Kablafjäll

Mittagsrast

Mittagsrast

Am Nachmittag kommen wir schon an den Pårte-Hütten vorbei, die wir eigentlich erst morgen zu passieren vorgehabt hätten. Da noch mehrere Stunden Tageslicht verbleiben, entschließen wir uns weiterzumarschieren.

über Seen

über Seen in den Nebel

Schneefall setzt ein

Schneefall setzt ein

Auf diese Weise schließt sich der Kreis, wir erreichen am Stuor Dáhtá jenen Punkt, an dem wir vor zwölf Tagen vom Kungsleden Richtung Pårek abgebogen waren. Inzwischen hat es sich etwas eingetrübt und leicht zu schneien begonnen. Unweit von dieser Stelle errichten wir auf einer Lanzunge geschützt unser Zelt und genießen einen letzten Zeltabend: Bereits morgen würden wir Kvikkjokk erreichen und in die Zivilisation zurückkehren…

 

Vierzehnter Tag (21. März):
Wie wir im Neuschnee nach Kvikkjokk zurückkehren und Abendgelage halten

In der Nacht sind etwa 15cm Neuschnee gefallen, die nun geräuschvoll vom Außenzelt rutschen. Schon als wir mit dem Zusammenpacken beginnen, hat sich die Sonne ihren Weg durch die Wolkendecke gebahnt. Um halb neun ist alles fertig gepackt, mittlerweile haben wir ja Routine.

beim Zeltabbau I

beim Zeltabbau I

Beim Zeltabbau II

Beim Zeltabbau II

Pulkapacken

Pulkapacken

Auf bekanntem Weg ziehen wir los, heute wieder mit Schneeschuhen: Im Neuschnee ist das Vorankommen ungleich mühsamer als gestern, erst als uns die ersten Schneemobilfahrer begegnen genießen wir wieder den Vorteil einer gespurten Loipe. Links hinter uns glänzt das Pårtemassiv im Sonnenschein, das sich am Hinweg noch in dichter Wolkendecke versteckt gehalten hat.

Im Neuschnee

Im Neuschnee

Dieter muss sich des Pullovers entledigen

Dieter muss sich des Pullovers entledigen

Blick Richtung Pårte

Blick Richtung Pårte

durch den Nadelwald

durch den Nadelwald

Blick Richtung Tarrekaise

Blick Richtung Tarrekaise

In etwas mehr als drei Stunden Marschzeit erreichen wir die Fjällstation in Kvikkjokk – einen Tag früher als geplant. Die Umbuchung des Zimmers ist aber kein Problem, und ein paar Stunden später fühlen wir uns geduscht und umgezogen wie neue Menschen. Für den Abend haben wir in der Küche Essen bestellt, á la carte: Einmal auf einer solchen Tour kann man sich schon den ganzen Luxus einer skandinavischen Fjällstation gönnen, finden wir. Und so schlemmen wir Räucherlachs, Rentiergulasch (Dieter und ich) bzw. Elchburger (David) und herrliche Desserts mit Beeren – so viel, dass uns am Ende die Bäuche stehen und kein Blatt mehr Platz fände, nicht einmal bei Dieter…

 

Abreise (22. – 25. März):
Wie wir die mittelalterlichen Kirchenruinen in Sigtuna besichtigen und unsere Fahrt bei einem Lagerfeuerabend im Märchenwald ausklingen lassen

Am Morgen bepacken wir den Wagen, bezahlen unsere Rechnung und brechen zur Heimreise auf. Da wir einen Tag mehr als geplant Zeit haben, können wir es gemütlich angehen lassen. Einen ersten Zwischenstop legen wir schon in Jokkmokk ein, wo wir das sehr sehenswerte Museum der Samischen Kultur besichtigen. In einem Supermarkt kaufen wir dann Räucherlachs, da waren wir gestern auf den Geschmack gekommen, und fahren weiter, diesmal die Inlandroute. Als es vor Östersund finster wird, wechseln wir an die Küste und sind um Mitternacht nur mehr wenig von Stockholm entfernt. In einem Waldstück bauen wir unser Zelt auf und nächtigen, um am nächsten morgen ausgeruht die Kirchenruinen des mittelalterlichen Bischofssitzes Sigtuna am Mälaren besichtigen zu können.

romanische Kirchenruine in Sigtuna

romanische Kirchenruine in Sigtuna

Von dort fahren wir weiter nach Süden und erreichen am späteren Nachmittag den kleinen Nationalpark Norra Kvill, einen märchenhaften Nadelurwald mit bemoosten Felsen.

im Nadelurwald

im Nadelurwald

bemooste Felsen

bemooste Felsen

Detail

Detail

Spiegelung

Spiegelung

Birkenrinde

Rinde

Totholz

Totholz

Abendstimmung I

Abendstimmung I

Abendstimmung II

Abendstimmung II

Nach einem abendlichen Spaziergang durch den Park errichten wir außerhalb (drinnen herrscht Lagerverbot) an einem schönen Rastplatz unser Zelt. Da eine Feuerstelle vorhanden ist und jede Menge Reisig und tote Äste herumliegen, beschließen wir den Abend mit einem romantischen Lagerfeuer, bei dem wir auch die von zuhause mitgebrachte aber dann im Auto zurückgelassene Weinflasche feierlich leeren.

Lagerfeuer

Lagerfeuer

Am nächsten Tag geht unsere Reise durch Südschweden weiter: unweit des Parks besuchen wir eine tausendjährige Eiche und am frühen Nachmittag erreichen wir die wikingerzeitliche Steinsetzung von Ales Stenar an der Südspitze Schwedens.

Morgenstimmung am Moor

Morgenstimmung am Moor

Kvilleken

Kvilleken

Das Wikingerschiffsmuseum von Roskilde, der alten dänischen Königsstadt, hat bei unserer Ankunft leider schon geschlossen. Am Jachthafen packen wir unseren Spirituskocher aus und bereiten ein Abendmahl – mit unseren Bärten und der verdreckten Kleidung wirken wir wohl auf Passanten wie Landstreicher, was uns deren Blicke bestätigen. Von Roskilde durchqueren wir dann ohne größere Pausen über Nacht Norddeutschland, verirren uns im Prager Stadtverkehr und erreichen dennoch um die Mittagszeit unsere Heimatstadt Wien…

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