Spätwinter im Sarek (05. – 25. 03. 2014) – Teil II: Zwischen Berg und Tal

Wie es uns in der ersten stürmischen Woche unserer Tour ergangen ist, ist im ersten Teil des Reiseberichts zu lesen. Nun folgt auf die warme Westströmung endlich das erhoffte stabile Hochdruckwetter, das uns die ganze zweite Woche erhalten bleibt. Der vorliegende zweite Teil unseres Reiseberichts ist der ersten Hälfte dieser Woche gewidmet, in der wir ins Rapadalen absteigen und eine Bergtour auf den aussichtsreichen Haupgipfel 1764 des Vássjá unternehmen. Die zweite Wochenhälfte, in der wir das Delta des Rapädno durchqueren, den Skierffe besteigen und am Kungsleden nach Kvikkjokk zurückkehren, wird dann im dritten Teil beschrieben.

 

Achter Tag (15. März):
Wie sich der Sturm legt und es doch noch weitergeht
In der Nacht wurde es merklich kühler, in der Hütte herrschen am Morgen frostige -5°C. Draußen weht aber kaum noch Wind, eigentlich ist das Wetter freundlich, nur im Westen noch etwas trüb. Ich verstärke noch die gestern angebrachten Reparaturnähte, das Zelt ist entgegen aller Erwartungen wieder einigermaßen hergestellt, einsatzfähig jedenfalls. Als Flicken musste ein Leinenbeutel herhalten, der nun den gerissenen Bereich des Außenzeltes verstärkt. Zuhause würde man das anders reparieren, aber bis dahin scheint die Lösung zweckmäßig. Nun sind wir soweit – was eigentlich? Aufbruchsbereit? Irgendwie können wir uns bei dem uneindeutigen Wetter noch nicht zum Verlassen der sicheren Hütte aufraffen, nicht nach den gestrigen Erfahrungen. War nicht der Wind mehrmals erst am Nachmittag aufgekommen? Kurzum, wir bleiben, trocknen Gewand, werfen zu dem Zweck sogar nach einigem Hin- und Herüberlegen den Ofen an (mehr als fünf Scheiter Brennholz wollen wir aber nicht nehmen). Am Nachmittag überrascht uns dann ein Blick vor die Tür: heiter, beste Fernsicht, das Panorama auf die Gebirgskulisse ist atemberaubend: So hatten wir uns den Platz vorgestellt! Größer könnte der Kontrast zu gestern kaum sein! Allein breche ich zu einem Photospaziergang nach Westen auf, ohne Schneeschuhe, da die windgepresste Schneedecke mich auch so trägt.

Gådoktjåhkkå - unser Gipfel 1885 von Tag 6

Gådoktjåhkkå – unser Gipfel 1885 von Tag 6

Blick Richtung Nordwesten zum Skájdejågåsj

Gipfellandschaft des Pårte

Gipfellandschaft des Pårte

Rückblick nach Osten zum Vájggántjåhkkå

Rückblick nach Osten zum Vájggántjåhkkå

blankgeweht

blankgeweht

Blick Richtung Rapadalen

Blick Richtung Rapadalen

Schneeverwehungen vor dem Gådoktjåhkkå

Schneeverwehungen vor dem Gådoktjåhkkå

Erst am Hügel 991 kehre ich zur Hütte zurück, um im Abendlicht abermals mit Dieter zu einem Spaziergang aufzubrechen, diesmal nach Osten Richtung Rapadalen.

die Hütte

die Hütte

Dieter

Dieter

Abendstimmung I

Abendstimmung I

Abendstimmung II

Abendstimmung II

Blick Richtung Sårki

Blick Richtung Skårki

Blick über die Nordhänge des Rapadalen

Blick über die Nordhänge des Rapadalen

Abendstimmung III

Abendstimmung III

Nach den Schwierigkeiten der letzten Tage überfällt uns eine unglaubliche Erleichterung, unsere Hochstimmung, als wir im Abendlicht über die windstille Hochfläche ziehen, lässt sich kaum in Worte fassen…

 

Neunter Tag (16. März):
Wie wir der Ruhe noch nicht trauen und ins Rapadalen absteigen
Zeitig kriechen wir heute aus den Schlafsäcken, das Wetter ist sonnig und kalt, wohl um die -20°C. Wir packen zusammen und verfassen eine Nachricht an den Hüttenbesitzer, in der wir das Geschehen schildern und um Verständnis ersuchen. Auch unsere Kontaktdaten lassen wir hier mit der Bitte, die Reparaturkosten für den Türriegel an uns weiterzuleiten. (Später melden wir den Vorfall auch in Aktse, wo aus die freundliche Hüttenwirtin verspricht, Kontakt zum Besitzer der Hütte herzustellen). Da das Wetter allzu verlockend scheint, beschließen wir vor dem Abstieg ins Tal, den wir rasch zu bewältigen gedenken, noch den nahen Boarektjåhkkå (1805m) zu besteigen. Um acht Uhr kommen wir von der Hütte weg und gewinnen am Hang rasch an Höhe. Die Aussicht nach Westen hin über die wildgezackte Bergkulisse ist unbeschreiblich.

zeitiger Aufbruch

zeitiger Aufbruch

Blick nach West

Blick nach West

Aufstiegsroute (von links)

Aufstiegsroute (von links)

Blick nach West

hoch über dem Talkessel

Blick nach Osten

Blick nach Osten

kurze Verschnaufpause

kurze Verschnaufpause

David vor dem Gådoktjåhkkå

David vor dem Gådoktjåhkkå

David

David

ich

ich

Dann allerdings beginnt es von Norden her einzutrüben, eine Wolkenfront zieht ziemlich tief in den Kessel herein. Wir vermögen die Wettertendenz nicht so recht einzuschätzen und sind nach den letzten Erlebnissen vorsichtig – kurzum: wir kneifen. Auf ca. 1300m drehen wir nach kurzer Beratung um.

Dieter vor der Wolkenfront

Dieter vor der Wolkenfront

Bei der Hütte zurück wird es schon wieder freundlich, mit etwas Unmut im Bauch schirren wir an und machen uns auf in Richtung Rapadalen. Die gefrorene Schneeoberfläche trägt ausgezeichnet, wir sinken kaum ein und müssen nur wenig Kraft aufwenden.

über die Hochebene

über die Hochebene

nach Osten

nach Osten

Dieter mit Rucksack

Dieter wohlgemut

einsam über durch die weiße Wüste

einsam durch die weiße Wüste

Der Blick ins Rapadalen wird mit jedem Schritt großartiger und wir kommen aufgrund unzähliger Photopausen nur mehr langsam weiter.

Gruppenbild I

Gruppenbild I

Gruppenbild II

Gruppenbild II

Gruppenbild III

Gruppenbild III

Blick hinab ins Rapadalen

Blick hinab ins Rapadalen

Delta von oben

Delta von oben

Photostop

Photostop

bereits an der Waldgrenze

bereits an der Waldgrenze

Gådokvágge

Gådokvágge

Etwas nordwestlich des Einschnittes des Gådokjåhkå steigen wir den Hang hinunter und erreichen den lichten Birkenwald. Jetzt im Winter ist auch der kein echtes Hindernis, wir queren auf einer Schneebrücke den teilweise offenen Fluss und langen bereits am frühen Nachmittag an dessen Einmündung in den Rapädno an.

Flussquerung

Flussquerung

David an der Mündung des Gådokjåhkå

David an der Mündung des Gådokjåhkå

Blick das Rapadalen hinauf

Blick das Rapadalen hinauf

Gruppenbild IV

Gruppenbild IV

offene Stelle am Rapädno

offene Stelle am Rapädno

Der Birkenwald ist voller Tierspuren, das Wasser plätschert und die Sonne scheint – alles in allem gefällt es uns so gut, dass wir beschließen trotz der frühen Uhrzeit zu bleiben. Nachdem wir das Zelt auf einer geschützten Terrasse unweit der Mündung aufgebaut haben, machen wir noch einen kleinen Abendspaziergang das Rapadalen flussaufwärts.

Abendspaziergang

Abendspaziergang

Skårki im Abendlicht

Skårki im Abendlicht

Das abendlich beleuchtete Skårki-Massiv im Rücken kehren wir zum Lager zurück, wo uns bereits Schatten und frostige -17°C erwarten.

 

Zehnter Tag (17. März):
Wie ein Fuch unseren Müllsack stiehlt und wir den Gipfel 1764 am Vássjá besteigen, wo uns der Sarek zu Füßen liegt
Als wir am Morgen erwachen, steht das Thermometer auf -24°C. Ein kurzer Blick aus dem Zelt ergibt, dass da etwas fehlt: haben wir nicht den Müllsack gestern Abend neben die Pulka gestellt? Stattdessen Schleifspuren und kleine Tatzenabdrücke im Schnee – kein Zweifel, da hatte ein Fuchs eine unerwartete Nahrungsquelle entdeckt! Wir folgen den Spuren und siehe da: Wenige Meter auf einem Hügel oberhalb des Zeltplatzes liegt der zerrissene Müllsack und sein verstreuter Inhalt.

Corpus Delicti

Corpus Delicti

Ich erinnere mich, gestern Abend, während Dieter uns noch vorlas, ein eigenartiges Geräusch gehört zu haben, das ich nicht zuordnen konnte: Eindeutig, das war das Schleifen des Sackes über die vereiste Schneedecke gewesen! Sehr dreist, dieser Fuchs, sich bei brennender Lampe bis an fünf Meter vor den Zelteingang vorzuwagen! Rasch ist der Müll aufgesammelt und diesmal besser weggepackt – wie gedankenlos, den Sack im Wald frei herumstehen zu lassen!
Der Sonnenschein ist so prächtig, dass wir beschließen, nicht sofort nach Aktse zu marschieren, sondern einen Gipfeltag einzulegen. Als Ziel wählten wir den Hauptgipfel des Vássjá mit 1764m Höhe, der unmittelbar neben dem Skårki gelegen schöne Ausblicke auf dessen wilde Gipfellandschaft und auf die andere Seite zum formschönen Ähpár-Massiv und hinab ins Basstavágge verspricht. Durch das morgendliche Rapadalen ziehen wir zunächst weiter nach Norden, ehe wir auf der Höhe der Einmündung des Gebirgsbaches Lulep Vássjájågåsj beginnen, den Hang aufzusteigen. Schon hier ist der Ausblick über das mittlere Rapadalen und seine Bergkulissen großartig.

am Gådokjåhkå

durchs Rapadalen

durchs Rapadalen

Skårki

Skårki

Bielloriehppe

Bielloriehppe

im Aufstieg

im Aufstieg

Gruppenbild V

Gruppenbild V

ich

ich

David

David

Blick zurück auf das Bielloriehppe

Blick zurück an der Waldgrenze

Gådoktjåhkkå-Bielloriehppe-Massiv

Gådoktjåhkkå-Bielloriehppe-Massiv

Rückblick Richtung Ijvvárláhko

Rückblick Richtung Ijvvárláhko

Rapaselet

Rapaselet

Ab einer Höhe von etwa 900m lehnt sich der Hang merklich zurück und geht in eine ausgedehnte Terrasse über. Trotz ausgezeichneter Schneeverhältnisse werden uns die vier Kilometer bis zum Beginn des eigentlichen Gipfelhanges auf 1400m ziemlich lang.

weit ist der Weg zum Gipfelhang

weit ist der Weg zum Gipfelhang

Hangterrasse

Hangterrasse

Zwischenzeitlich zieht wie am Vortag ein Wolkenfeld herein, das sich aber rasch auflöst und wieder ungetrübtem Sonnenschein Platz macht. Der Gipfelhang ist konstant etwa 20-25° steil und fast 400 Höhenmeter lang – ein anstrengendes Unterfangen.

am Gipfelhang, Blick nach West

am Gipfelhang, Blick nach West

Um etwa 13 Uhr stehen wir dann am Gipfel und genießen den Ausblick über weite Teile des südlichen und zentralen Sarek. Das Gipfelpanorama im Norden und Westen ist spektakulär, im Süden und Osten überblicken wir die abgerundeten Kuppen des Njunjes und Ultevis-Fjälls bis hinab zum Sitojaure, den ich bereits aus dem Vorwinter bestens kenne.

Gipfelpanorama nach Norden: Ähpár

Blick nach Norden: Ähpár

Skårki und Ähpár

270° Gipfelpanorama (S bis WNW)

270° Gipfelpanorama (S bis WNW; zum Vergrößern zwei Mal auf das Bild klicken)

Gipfelphoto

Gipfelphoto

Blick nach Süden

Blick nach Süden

Für den Abstieg legen wir am harten Untergrund die Steigeisen an, auf diese Weise lässt sich der Hang unerwartet leicht bewältigen.

am Gipfelhang, im Hintergrund das Bielloriehppe

am Gipfelhang, im Hintergrund das Bielloriehppe

Blick das Rapadalen hinauf

Blick das Rapadalen hinauf

Firn!

Firn!

wieder im Wald

wieder im Wald

Das Wetter hält auch am Nachmittag und wir beschließen am Rückweg noch einen Abstecher über die Kuppe des Alep Spádnek unweit unseres Zeltplatzes zu machen. Von dort genießen wir einen schönen Ausblick auf das abendlich beleuchtete Delta – ein Vorgeschmack auf den morgigen Tag.

abendliches Rapadalen

abendliches Rapadalen

Låddebákte und Stuor Skårki im Abendlicht

Låddebákte und Stuor Skårki im Abendlicht

Blick ins Delta

Abendstimmung am Alep Spádnek

Abendstimmung am Alep Spádnek

zurück im Tal

zurück im Tal

Ziemlich erschöpft langen wir gegen Sonnenuntergang im Lager an und kochen ein mehrgängiges Bergsteigermenü. Derweilen befindet sich die Temperatur im freien Fall, als wir in die Schlafsäcke kriechen liegt sie bei -28°C

Rápavuobme im Vollmond

Rápavuobme im Vollmond

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