Ausrüstungstest am Hochschwab (21. – 23. 02. 2014)

Mit Pulka und Zelt auf winterlichen Almen.

Zwecks Feinabstimmung unserer Ausrüstung für die bevorstehende Skandinavientour unternahmen David, Dieter und ich dieses Wochenende eine kurze Testtour am Hochschwab. Unsere Runde führte uns bei recht winterlichen Verhältnissen über mehrere Almen des südöstlichen Teils der Hochfläche.

Von Wien aus fuhren wir mit dem vollbepackten Auto über den Semmering nach Tragöß. Bereits im Vorfeld konnten wir also die optimale Beladung für unsere Fahrt nach Nordschweden austüfteln. Es zeigte sich, dass die Pulka haargenau in den Laderaum passt, wenn man die Hälfte der Rückbank umklappt. Die Rucksäcke finden dann daneben im Kofferraum bzw. auf der Pulka Platz, das Zuggestänge wird am Dachgepäcksträger verzurrt. (Für Skandinavien kommt dann noch die zweite Pulka dazu, die wird dann über die erste gestapelt werden.) Trotz des umfangreichen Gepäcks nahmen wir das Raumgefühl auf der Fahrt noch als angenehm war. Tja, bis an den Hochschwab sind es bloß knappe 200km, während unsere Reise nach Kvikkjokk um ein Vielfaches länger sein wird, aber das sollte schon klappen! 😉

Vom Talschluss des Jassinggraben stiegen wir über Forstwege zunächst den westlichen Hang zur Neuwaldalm auf. Bei den noch frühlingshaften Temperaturen reichte die Schneehöhe gerade noch aus, um vom Tal weg die Pulka anschirren zu können.

Panorama auf den Talschluss (der verschneite Hügel in der Bildmitte sollte schließlich unser Zeltplatz werden...)

Panorama auf den Talschluss (der verschneite Hügel in der Bildmitte sollte schließlich unser Zeltplatz werden…)

Das Vorankommen im Nassschnee freilich war zunächst etwas mühsam. Auch die Wegfindung gestaltete sich nicht immer einfach: nicht jede vermeintliche Abkürzung ist tatsächlich eine… Das herrliche Bergpanorama im Sonnenschein entschädigte uns aber für die schweißtreibende Zugarbeit, bei der wir uns abwechselten.

Dieter mit Pulka bergan

Dieter mit Pulka bergan

frühlingshafte Temperaturen

David in einer kurzen Sonnenpause

kurz vor der Neuwaldalm

kurz vor der Neuwaldalm

ja, 35kg hängen sich hinten ganz schön dran...

ja, 35kg hängen sich hinten ganz schön dran…

Dieter ist dennoch vergnügt

Dieter ist dennoch vergnügt

Von der Neuwaldalm querten wir unter den Felswänden des Langstein zur Kulmalm.

Rückblick Richtung Griesmauerkogel

Rückblick Richtung Griesmauerkogel

Blick talwärts

Blick talwärts

Hier endete der Almweg, dessen moderate Steigung das Ziehen der Pulka erheblich erleichtert hatte. Stattdessen erwartete uns jetzt tiefverschneites kupiertes Gelände. Mit der Pulka kamen wir hier nur mehr langsam voran. Angesichts des schwindenden Tageslichts begannen wir Ausschau nach einem geeigneten Zeltplatz zu halten. Fündig wurden wir schließlich bei einem Hügel unmittelbar südlich der Bärnsbodenalm, von dem wir einen phantastischen Rundumblick auf die Bergkulisse hatten. Während David und Dieter noch das restliche Gepäck und die geleerte Pulka (die wir vollbepackt niemals den steilen Hang hinaufbekommen hätten) auf den Hügel schafften, begann ich schon den Standplatz zu festzutreten und das Zelt aufzustellen. Als wir die Schlafsäcke ausgepackt hatten und auf den Spirituskochern der Schnee für unser Abendessen schmolz war es bereits finster und kräftiger Wind kam auf.

Abendstimmung am Zeltplatz

Abendstimmung am Zeltplatz

Rasch wurde es ziemlich stürmisch und von allen Seiten schloss sich der Sternenhimmel mit einer dichten Wolkendecke. Schon wenig später setzte auch der angekündigte Schneefall ein und wir krochen gesättigt und erschöpft in unsere Schlafsäcke.

In der Nacht waren mindestens 30cm Neuschnee dazugekommen. Ein erster Blick aus dem Zelt verhieß nichts Gutes: tiefhängende Wolken, noch immer starker Wind und Schneetreiben. Bei diesen Aussichten konnten wir uns nicht so recht zum Aufstehen motivieren. Erst als im Laufe des Vormittags der Wind etwas abflaute, bereiteten wir uns ein Frühstück aus Haferbrei, den wir mit am Vorabend gewärmtem Wasser anrührten. Das Wasser hatte in den Thermosflaschen gut die Wärme gehalten – ganz im Gegensatz zu Davids Schlafsack. Der warme Schlafsack, den er sich für die Tour bei Cumulus bestellt hatte, war nämlich noch nicht eingetroffen, und so musste er mit einem geliehenen mit etwas weniger Daunen vorlieb nehmen. Da eine Gipfeltour bei den schlechten Sichtverhältnissen wenig Sinn machte, entschieden wir uns für eine ausgedehnte Rundtour über die verschneite Hochfläche, von Alm zu Alm. Am Abend wollten wir wieder zum Zeltplatz zurückkehren, sodass wir diesmal nur leichte Rucksäcke dabei hatten.

Aufbruch

Aufbruch

Blick vom Zeltplatz auf den Kulmstein

Blick vom Zeltplatz auf den Kulmstein

Von der Bärnsbodenalm erreichten wir rasch die Androthalm, von der aus wir uns nach Westen wandten.

an der Bärnsbodenalm

an der Bärnsbodenalm

David am Androthtörl

David am Androthtörl

Über das Androthtörl stiegen wir in das Tal des Fobisbachs unter den Felswänden des Brandsteins ab.

unterhalb des Brandsteins

unterhalb des Brandsteins

Fobisalm

Fobisalm

Von der Fobisalm aus bogen wir wieder nach Süden ab und stiefelten querfeldein über den Mitterriedel zur Pfaffingalm.

Rückblick Richtung Norden

Rückblick Richtung Norden

In diesem Abschnitt fehlten bei den schlechten Sichtverhältnisse gute Orientierungspunkte, sodass wir unseren Route nach dem Kompass suchten. Auf dieselbe Weise navigierten wir dann auch von der Pfaffingalm wieder Richtung Osten, sodass wir unzählige Rücken und Senken später wieder die Bärnsbodenalm erreichten, über schon von Weitem unser Zelt sichtbar war.

Blick von der Bärnsbodenalm auf unseren Zelthügel

Blick von der Bärnsbodenalm auf unseren Zelthügel

Warten aufs Abendessen

Warten aufs Abendessen

Wieder kam in der Nacht stürmischer Wind auf. Diesmal aber brachte er besseres Wetter: In der Früh hatte es zu schneien aufgehört und es klarte langsam auf.

morgendlicher Blick aus dem Zelteingang

morgendlicher Blick aus dem Zelteingang

Gruppensuchbild ;-)

Gruppensuchbild 😉

Aussicht nach Westen zur Frauenmauer

Aussicht nach Westen zur Frauenmauer

Nach dem Frühstück packten wir unsere Ausrüstung zusammen, bauten das Zelt ab und beluden die Pulka. Dann ging es zunächst wieder über die Androthalm und dann östlich in Richtung Sonnschienalm weiter.

verschneite Bärnsbodenalm

verschneite Bärnsbodenalm

Im frischen Pulverschnee zogen wir unsere Spur. Gelegentlich versicherte uns eine Tafel der spärlichen Wintermarkierung, dass wir richtig waren, dazwischen navigierten wir wieder mit Kompass und Karte.

David nach dem unfreiwilligen Sturz über eine unsichtbare Wechte

David nach dem unfreiwilligen Sturz über eine unsichtbare Wechte

Aussicht Richtung Griesmauerkogel

Aussicht Richtung Griesmauerkogel

Almenidylle

Almenidylle

Mit der Pulka waren wir etwas langsamer unterwegs als am Vortag, kamen aber dennoch überraschend gut voran. Immer besser wurde die Sicht auf die umgebenden Gipfel der Schaufelwand und des Ebensteins.

Ebenstein noch in Wolken

Ebenstein noch in Wolken

Als wir nach einer längeren Abfahrt die Senkbodenalm erreichten, hatte sich endgültig die Sonne durchgesetzt. Hier machten wir eine Mittagspause, bei der wir die am Vorabend bereitete und in eine Thermoskanne abgefüllte Gemüsebrühe tranken – eine ausgezeichnete Einrichtung, wie wir fanden.

Mittagsrast

Mittagsrast

Senkbodenalm

Senkbodenalm

Anschließend wartete nur mehr ein kleineres Hindernis auf unserem Weg: Eine ziemlich steile Hangquerung, bei der sich David und die Pulka aber ausgezeichnet schlugen. Nur kurz drohte die Pulka abzurutschen, mit einem beherzten Zug kam sie aber wieder ins Gleichgewicht und Sekunden später war der Hang überwunden. In diesen Passagen spielt die alte Segebaden Holzpulka die Vorzüge ihrer Form voll aus: Noch im Umkippen stabilisiert sie sich auf der schrägen Steitenwand und die verhältnismäßig hohen Kufen verhindern selbst in dieser kritischen Situation ein Abrutschen.

kritische Querung...

kritische Querung…

...gut gemeistert!

…gut gemeistert!

Nun trafen wir auf die sog. Russenstraße, einen befestigten Almweg, der im Winter von zahlreichen Skitourengehern befahren wird. In entsprechend gefestigter Spur liefen wir die letzten 5km talwärts, sodass wir am Nachmittag zum Auto zurückkehrten.

auf der "Russenstraße"

auf der “Russenstraße”

Fazit:

(Temperaturen: in den Nächten ca. -10°C, tagsüber am Fr +5 bis +12°C, Sa -7 bis -4°C, So -5 bis +2°C.)

+ die Schlafsäcke (Cumulus Alaska 1300): Reserve auch für tiefere Temperaturen (im Test ohne VBL, auf Tour mit)
+ das Zelt (Hilleberg Keron 3GT): bewährt zu zweit schon letzten Winter, bietet auch genug Platz  für drei, besonders angenehm die verlängerte Apsis zum Kochen

+ Spirituskocher (Trangia): funktioniert problemlos, allerdings nur mit Winterset. Unbedingt Winterset für den 2. Kocher besorgen!

+ Spiritusverbrauch etwas niedriger als gedacht: max. 0,5l/Tag (kochen, 6l Tee, 1,5l Suppe)

+ selbstgenähte Wollunterwäsche: tagsüber wie nachts angenehm warm (Merino 270 bzw. Wollwalk 350g/m²)

– Pulka in Steigungen über 20% sehr mühsam zu ziehen (in längeren Bergaufpassagen mehr Gewicht in Rucksäcke umpacken!)

– morgens vereiste Schuhe (doch ins Innenzelt?)

– zu dünne Isomatte (auf Tour 3cm!)

Bleiben bloß kleinere Adaptierungen der Kleidungsliste (es lebe das Zwiebelprinzip!), der Ausrüstungsliste (nicht die Löffel vergessen!) und des Speiseplans (Abwechslung!) – dann steht unserer Skandinavientour nichts mehr im Wege… 😉

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