Klettersteigtag an der Rax (17. 11. 2013)

Haidsteig (C-D) und Teufelsbadstubensteig (B)

In Reichenau empfängt mich eisiger Morgenfrost. Ein kurzer Blick auf die Bergkulisse stimmt mich zuversichtlich: Während die Hochfläche der Rax schon eine weiße Schneehaube trägt, ist an den südseitig exponierten Felswänden kaum Schnee liegengeblieben. Damit steht der Entschluss, die Preinerwand über den Haidsteig zu erklimmen fest. Vom Fahrplan am Bahnhofsvorplatz muss ich zuerst den Eisfilm abkratzen, ehe er mir verrät, dass in einer Viertelstunde ein Bus Richtung Prein abfährt. Trotz des heiteren Himmels ist der Bus so gut wie leer, außer mir fährt nur noch eine Familie mit zwei Kindern mit.  Am Oberen Eggl (720m), wo der Bus um diese Jahreszeit wendet, während er im Sommer weiter bis auf das Preiner Gscheid fährt, steige ich aus. Der Weg führt mich zu Beginn über eine steile Almwiese, sodass ich die Kälte schnell vergessen ist. Als ich im Wald anlange, spüre ich schon ein leichtes Ziehen in den Waden – na, das beginnt ja heiter! Zum Glück geht es nun gemütlicher bergan und mit flottem Schritt erreiche ich nach einer knappen Stunde das Bachingerbründl. Wasser ist noch genug im Rucksack, sodass ich mich nicht lange aufhalten muss und am Holzknechtsteig bald den Hochwald verlasse. Vor mir öffnet sich nun der große Kessel oberhalb Griesleitengrabens. Auf der gegenüberliegenden Seite zeichnet die Morgensonne die Strukturen der Felsgebilde nach. Nach wenigen Minuten erreiche ich den deutlich markierten Einstieg des Haidsteiges auf ca. 1360m. Dort mache ich eine kurze Frühstückspause und lege Helm und Klettersteigset an. Der Steig beginnt mit einer netten Kraxelei und bald erreiche ich den ersten Steigbaum. An dessen oberem Ende wartet dann eine ziemlich ausgesetzte Querung, subjektiv für mich die psychisch fordernste Stelle. Die unmittelbar folgende Passage macht dann richtig Spaß – nicht zuletzt wegen der herrlichen Tiefblicke.

Tiefblick im unteren Abschnitt

Tiefblick im unteren Abschnitt

Bald erreiche ich den Felsabsatz, an dem von rechts der Alte Haidsteig einmündet. Dieser bildete vor der Errichtung des gerade begangenen unteren Abschnittes im Jahr 1921 den Zustieg zum bereits 1913 eröffneten oberen Abschnitt des Haidsteiges. Nun folgt der zweite Steigbaum, über dem der Steig in gewundener Linie ausgesetzt über plattiges Gelände nach oben führt. Durch eine Steilrinne führt der Steig in einen kleinen Kamin, der die offizielle Schlüsselstelle darstellt.

Steilrinne von oben

Steilrinne von oben

Die Passage fällt mir leichter als einige Stellen weiter unten, sodass bald am nächsten Absatz mit der Schwarzen Madonna (1585m) und dem Steigbuch anlange. Nach einer kleinen Pause nehme ich den obersten Abschnitt in Angriff, der zwar keine nennenswerten Schwierigkeiten doch umso bessere Aussicht bietet.

Tiefblick im oberen Abschnitt

Tiefblick im oberen Abschnitt

Blick Richtung Heukuppe und Predigtstuhl

Blick Richtung Heukuppe und Predigtstuhl

Einige Passagen sind allerdings vereist und fordern daher erhöhte Aufmerksamkeit. Nach deutlich weniger als drei Stunden Wegzeit erreiche ich den Gipfel der Preinerwand (1783m). Auf der Hochfläche liegen ein paar Zentimeter Schnee, die aber dem Vorwärtskommen kein ernsthaftes Hindernis darstellen.

Blick Richtung Klosterwappen

Blick Richtung Klosterwappen

Blick Richtung Scheiblwaldhöhe

Blick Richtung Scheiblwaldhöhe

Über den Jakobskogel (1736m) erreiche ich in einer knappen Stunde die Höllentalaussicht (1620m), wo ich meinen ursprünglichen Plan, den Alpenvereinssteig abzusteigen, rasch verwerfe: Hier an der Nordseite liegt im oberen Teil liegt einfach zu viel Schnee, als dass ich mich im Abstieg wohlfühlen würde.

Höllentalaussicht

Höllentalaussicht

Ich entscheide mich daher, auf der östlichen Seite abzusteigen und je nach Verhältnissen den Teufelsbadstubensteig oder den einfacheren Wachthüttelkamm zu wählen. Durch winterlich anmutenden Bergwald, der immer wieder einen Blick auf den Schneeberg an der anderen Seite des Höllentales erlaubt, führt mich der Weg rasch bergab.

knorrige Lärche

knorrige Lärche

Kurz bevor ich den Einstieg in den Teufelsbadstubensteig auf ca. 1220m erreiche, endet die Schneedecke. Da ich auch in den Rinnen unter mir keine nennenswerten Schneereste entdecken kann, nehme ich den Abstieg in Angriff.

Felskanzel

Felskanzel

Der obere Teil des Teufelsbadstubensteiges bietet wenig Herausforderung, dafür umso mehr Geröll und eine fantastische Felskulisse. Die Nachmittagssonne weicht langsam über die oberen Wandpartien zurück und taucht die Umgebung in ein zauberhaftes Licht, während tief darunter das Große Höllental in kühlem Schatten liegt.

Lichtspiele

Lichtspiele

Talschluss

Talschluss

Erst im weitem Verlauf bietet der Steig längere versicherte Abschnitte mit hübschen Kraxeleien. Unten im Talschluss des Großen Höllentales ist der Buchenwald mittlerweile ziemlich kahl und die großen Felsblöcke liegen ungewohnt nackt in der Gegend herum.

Schattenriss

Schattenriss

Über die Schönbrunnerstiege gelange ich gemütlich zum Talausgang. Danach marschiere ich auf der Straße der Schwarza entlang noch bis nach Kaiserbrunn, von wo aus mich ein Bus wieder nach Reichenau bringt. Während der kurzen Busfahrt stehen die Felsformationen um den Krummbachstein in der letzten Abendsonne.

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