Ötztaler Alpen (20.-22. August 2013)

Die große Hitzewelle dieses Sommers war nun zwar vorüber, doch auf ein paar wechselhafte Tage sollte erneut stabiles Hochdruckwetter folgen. Für den Westen Österreichs waren wolkenloser Himmel, hervorragende Fernsicht und angenehme Temperaturen um 10°C in 2000m und 5°C in 3000m Höhe angekündigt – perfektes Hochtourenwetter also. Seit längerem hatte ich eine kleine Tour in den Ötztaler Alpen im Hinterkopf, die ich nun in die Tat umsetzen wollte. Da Silke in der folgenden Woche eine wichtige Prüfung bevorstand, würde ich diesmal würde allein unterwegs sein. Die Anreise per Bahn und Bus von Wien nach Vent im Ötztal war unkompliziert und dank des Sommertickets der Bahn erfreulich günstig; bereits kurz vor 14 Uhr war ich am Ausgangspunkt der Tour. Die höheren Gipfel waren zum Teil noch von Wolken verhangen, die sich aber allmählich auflösten. Bereits im Sonnenschein machte ich mich in Richtung Martin-Busch-Hütte auf. Das Niedertal lässt sich vom sanft ansteigenden Karrenweg an seinem Westhang weit einsehen. Immer wieder stehen Schafe am Rand des Weges und zunehmend kommen weitere vergletscherte Gipfel zum Vorschein.

Blick zurück Richtung Vent

Blick zurück Richtung Vent

Mutmal Spitze über der Talgabelung kurz vor der Hütte

Mutmal Spitze über der Talgabelung kurz vor der Hütte

Noch vor 16 Uhr erreichte ich die Hütte, welche knapp oberhalb einer Gabelung des Tals gelegen ist. Der Rummel dort wirkte auf mich wenig anziehend, sodass es mir leicht fiel weiter aufzusteigen. In der Nähe des Brizzisees auf 2920m, etwa 400m oberhalb der Hütte, wollte ich ein Biwak errichten um am nächsten Morgen zeitig zur Kreuzspitze aufbrechen zu können. Der steile Aufstieg über die Alm war rasch gemeistert und bald erreichte ich die Terrasse des Sees. Unmittelbar rechts des Weges befinden sich die Grundmauern der verfallenen Brizzihütte, die mir als Biwakplatz bestens geeignet schienen: Die etwa hüft- bis brusthoch anstehenden Steinmauern schützen gut gegen Wind und im Inneren befindet sich eine ebene Fläche, die für zwei Personen ausreichend Platz zum Schlafen bietet.

Brizzihütte, dahinter der Similaun in Wolken

Brizzihütte, dahinter der Similaun in Wolken

Biwak an der Brizzihütte

Biwak an der Brizzihütte

Ich spannte meine Regenplane über eine Ecke und bereitete mir einen geschützten Schlafplatz. Danach füllte ich am nahen Bächlein meine Wasservorräte auf, spazierte hinüber zum See und genoss die Abendstimmung über dem Similaun.

Brizzisee mit Similaun

Brizzisee mit Similaun

Eine hartnäckige Wolke im Westen verdeckte aber bald die Sonne, sodass ich fröstelnd zum Biwak zurückkehrte und nach dem Abendessen früh schlafen legte.
Wie vom Wetterbericht vorhergesagt wurde es kalt: Noch vor Mitternacht setzte stärkerer Wind ein, der die Wolken vertrieb. In der sternenklaren Nacht fiel die Temperatur rasch unter den Gefrierpunkt, dafür gab es jede Menge Sternschnuppen.

Nachtstimmung an der Brizzihütte

Nachtstimmung an der Brizzihütte

Ich war froh, doch den warmen Winterschlafsack mitgenommen zu haben, der mich in wohliger Wärme bis zum Sonnenaufgang durchschlafen ließ. Von zeitigem Aufbruch konnte aber nicht die Rede sein: Die von Raureif überzogene Plane und der Schlafsack musste erst in der Morgensonne getrocknet werden, ehe ich meine Ausrüstung zusammenpacken konnte.

Nachtfrost

Nachtfrost

Bächlein

Bächlein

morgendlicher Brizzisee

morgendlicher Brizzisee

Spiegelung I

Spiegelung I

Als ich kurz vor halb 9 Uhr losmarschierte, waren bereits mehrere Gipfelstürmer vor mir am Hang. Der Aufstieg verläuft zunächst über einen Blockhang steil nach oben und ist stets einfach. Ab etwa 3200m lagen etwa 5cm Neuschnee, die aber keine Schwierigkeiten bereiteten.

Anstieg im Geröll

Anstieg im Geröll

Neuschnee

Neuschnee

am Grat angekommen, Blick nordwärts

am Grat angekommen, Blick nordwärts

Nach einer knappen Stunde erreichte ich den breiten  Grat, über der unschwierig  die letzten 150 Höhenmeter zum Gipfel auf 3457m führt. Oben begrüßte mich ein bayerisches Paar, die schon früh von der Hütte aufgebrochen waren.

breiter Gipfelgrat

breiter Gipfelgrat

Gipfelaufbau

Gipfelaufbau

am Gipfel, Blick südwärts

am Gipfel, Blick südwärts

Rückblick auf den Aufstiegsweg (ostwärts)

Rückblick auf den Aufstiegsweg (ostwärts)

Blick westwärts ins Rofental

Blick westwärts ins Rofental

Während wir die atemberaubende Aussicht genossen und versuchten, die Gipfel am Horizont zu bestimmen, trudelten allmählich die übrigen Bergsteiger ein, die ich im Aufstieg überholt hatte. Die Fernsicht war ausgezeichnet: Im Osten reichte sie bis in die Glocknergruppe, im Süden zur Marmolata und zum Ortler und im Westen zur Berninagruppe. Die Großen der Ötztaler Alpen, Similaun, Weißkugel und Wildspitze schienen zum Greifen nahe.

Gipfelpanorama Kreuzspitze 3457m (ca. 240°)

Gipfelpanorama Kreuzspitze 3457m (ca. 240°)

Auf der anderen Seite, im Rofental, war bereits das Hochjoch-Hospiz, mein Tagesziel, zu sehen. Zuvor sollte es aber wieder hinunter zum Brizzisee und dann über den Saykogel gehen.

Spiegelung II

Spiegelung II

Spiegelung III

Spiegelung III

Vom See verläuft ein unmarkierter Steig am Hang südwärts, welcher bei einem Bächlein auf etwa 2760m auf den markierten Aufstieg von der Martin-Busch-Hütte zum Saykogel (3360m) trifft.

über dem Niedertal

über dem Niedertal

Der Steig ist abwechslungsreich und wird nach oben hin immer aussichtsreicher und blockiger; im letzten Teil müssen manchmal kurz die Hände zur Hilfe genommen werden.

es wird blockiger...

es wird blockiger…

Gegen zwei erreiche ich den markanten Gipfel – der Ausblick auf die vergletscherte Bergwelt ist gewaltig. Hauslabkogel und Finailspitze schien unmittelbar südlich zum Greifen nah, während die Entfernung zur Kreuzspitze im Norden kaum vermuten ließ, dass ich vor etwas mehr als zwei Stunden noch auf ihrem Gipfel saß.

auf dem Saykogel (3360m), Blick südwärts zur Finailspitze

auf dem Saykogel (3360m), Blick südwärts zur Finailspitze

Tiefblick nach Norden auf den Kreuzferner

Tiefblick nach Norden auf den Kreuzferner

oberes Niedertal mit Similaun

oberes Niedertal mit Similaun

Blick nach Norden Richtung Wildspitze und Kreuzspitze

Blick nach Norden Richtung Wildspitze und Kreuzspitze

mein Rucksack

mein Rucksack

Nach einer ausgiebigen Rast und einem kurzen Beruhigungsanruf bei meinen Eltern machte ich micht auf den Abstieg, der mich über den Westgrat hinunter Richtung Hochjoch-Hospiz führen sollte. Der Grat war zum Glück schneefrei und aufgrund der warmen Temperaturen nicht mehr vereist, worüber ich in den ausgesetzteren Passagen recht froh war.

Saykogel Westgrat

Saykogel Westgrat

Technisch ist der Westgrat ohne nennenswerte Schwierigkeiten (nie über I+, Grattürmen weicht der Steig in die Flanken aus) und bietet atemberaubende Tiefblicke auf die Gletscher zu beiden Seiten.

Hauslabkogel und Finailspitze

Hauslabkogel und Finailspitze

Nach etwas über einer halben Stunde verließ der Steig den Grat und führte mich südlich steil über Geröll  in das Moränengelände. Es dauerte relativ lange, ehe ich wieder ein bewachsenes Fleckchen erreichte, wo mich promt drei grasende Schafe begrüßten.

wieder Gras unter den Hufen…

wieder Gras unter den Hufen…

Über steinige Almhänge ging es dann hinab zum rauschenden Hochjoch-Bach, der aufgrund des sonnigen Wetters gut mit Gletschermilch versorgt war. Auf einer Insel in einem Sander machte ich Rast – schließlich war es nicht mehr weit bis zum Hospiz und die Zeit bis zum Abend noch lang.

an der Rofen-Ache

an der Rofen-Ache

Kratzdistel

Kratzdistel

Erst als das Licht weicher und die Schatten länger wurden, brach ich wieder auf. Nach der Überquerung des Baches mittels einer Brücke führte der Weg über Serpentinen steil abwärts zur Talgabel, wo auch der vom Hintereisferner herabkommende Bach überschritten werden musste. Dann ging es am anderen Hang in der Abendsonne noch einige Höhenmeter nach oben, bis ich schließlich das Hospiz erreichte.

Talgabelung, am Hang das Hochjoch-Hospiz

Talgabelung, am Hang das Hochjoch-Hospiz

Hochjochhospiz mit Guslarspitzen

Hochjochhospiz mit Guslarspitzen

Da ich nicht reserviert hatte, bekam ich keinen Platz mehr im Lager, dafür aber herrliche Schlutzkrapfen. In der Nacht durfte ich dann am Gang ein Notlager aufschlagen, das eigentlich recht bequem gewesen wäre, wenn mich nicht eine Lampe mit Bewegungsmelder über meinem Schlafplatz mich bei jedem nächtlichen Häuselgeher geweckt hätte…

Die Nacht war also unruhig und entsprechend bald war ich am nächsten Morgen wieder auf den Beinen. Noch ehe der Massenansturm aufs Frühstück begann befand ich mich schon am Hang hinter der Hütte – gerade erreichten die ersten Sonnenstrahlen die umgebenden Gipfel.

Morgenstimmung über der Weißkugel

Morgenstimmung über der Weißkugel

määähhh ;-)

määähhh 😉

Angenehmerweise konnte ich so den Aufstieg zu den Guslarspitzen noch im Schatten zurücklegen, was mir einiges an Schweiß sparte. Seit zwei Jahren führt ein markierter, unschwieriger Steig auf die mittlere Spitze und weiter zur Vernagthütte. Bei recht flottem Tempo erreichte ich schon nach wenig mehr als einer Stunde den Gipfel (3129m). Im Anblick der weiten Gletscherflächen der Weißkugel und der markanten Silhouette der Wildspitze genoss ich mein Frühstück.

auf der Mittleren Guslarspitze (3126m)

auf der Mittleren Guslarspitze (3126m)

Blick vom Gipfel der Mittleren Guslarspitze nach Süden auf Hintereisferner und Weißkugel

Blick vom Gipfel der Mittleren Guslarspitze nach Süden auf Hintereisferner und Weißkugel

Blick nach Norden Richtung Wildspitze, davor Vordere Guslarspitze

Blick nach Norden Richtung Wildspitze, davor Vordere Guslarspitze

Kesselwandspitze und Fluchtkogel

Kesselwandspitze und Fluchtkogel

Bevor ich den Abstieg begann, machte ich noch einen kurzen Abstecher zur etwas höheren Hinteren Guslarspitze (3151m), welche ich rasch über den breiten Grat erreichte. Von hier bot sich ein besonders schönes Panorama über das Rofental und die Weißkugel.

Panorama von der Hinteren Guslarspitze (3151m)

Panorama von der Hinteren Guslarspitze (3151m)

Der Gletscher im Nordkar der Guslarspitzen ist inzwischen auf einen kümmerlichen Rest zusammengeschrumpft, sodass der Steig in Serpentinen auf aperem Geröll abwärts führt.

im Nordkar der Guslarspitzen

im Nordkar der Guslarspitzen

Bei der Vernagthütte machte ich Halt und bestellte mir eine Frittatensuppe.

Vernagthütte

Vernagthütte

Danach ging es dann gemütlich auf dem einfachen Panoramaweg am Westhang des Rofental talauswärts nach Vent – ein schöner Ausklang für diese Tour.

Rückblick Richtung Vernagthütte

Rückblick Richtung Vernagthütte

über dem Rofental, Blick Richtung Vent

über dem Rofental, Blick Richtung Vent

Routenverlauf

Routenverlauf