Winterfjäll (20. 03. – 03. 04. 2013)

eineinhalb Wochen am Rand von Stora Sjöfallet und Sarek Nationalpark in Nordschweden

Reisezeitraum: 20. März – 03. April 2013
Route: Saltoluokta – Pietsaure – Sluggá – Rinim – Sitojaure – Saltoluokta
Teilnehmer: Silke u. Helmut
Der folgende Bericht wurde erstmals auf http://trittspuren.wordpress.com/winterfjall-2013/ publiziert und ist hier mit geringfügigen Kürzungen übernommen, © an Text und Bildern: Silke Hahn u. Helmut Lotz

Planung

Für die diesjährige Wintertour sollte es in das Randgebiet der beiden Nationalparks Stora Sjöfallet und Sarek in Nordschweden gehen. Wir hatten insgesamt zwei Wochen zur Verfügung, von denen jeweils zweieinhalb Tage auf An- bzw. Abreise mit dem Zug entfielen. Da in dieser Gegend um die Osterzeit von warm und sonnig bis eiskalt und Schneesturm jede Wetterlage möglich ist, planten wir zusätzlich zwei bis drei Ruhetage ein, falls wir wegen Schlechtwetters nicht weiterkönnten. Wir entschieden uns schließlich für eine relativ unschwierige Route, welche die Fjällstation Saltoluokta zum Ausgangspunkt haben sollte. Von dort aus wollten wir über den Pietsaure nach Westen gehen, den markanten, kegelförmigen Berg Sluggá umrunden und über das Tal des Sijddoädno, den Sitojaure und einen Abschnitt des Kungsleden zurückkehren. Diesen kannten wir bereits aus dem Sommer, wo wir am Ende unserer Sarektour bei strömendem Regen vom Sitojaure nach Saltoluokta gelaufen sind.

Route Winterfjäll 2013

Route Winterfjäll 2013

Den schwersten Teil des Gepäcks (Nahrungsmittel, Brennstoff, Kocher, Zelt, Stativ) verstauten wir in der Pulka; der Rest kam in die Rucksäcke. Besonders viel Raum nahmen unsere dicken Daunenschlafsäcke ein, welche sich bei den winterlichen Temperaturen bestens bewährten. Auch der Rest der Ausrüstung erwies sich als funktional – besonders froh waren wir über unsere selbsgeschneiderten Wollsachen und Daunenwesten. Das Kochen mit Spiritus gestaltete sich auch bei Temperaturen unter -10°C dank des Trangia-Wintersets unproblematisch. Von den sieben Litern Spiritus, welche wir – etwas übervorsichtig – eingepackt hatten, brauchten wir gerade einmal zwei Liter.

Mi, 20. März: Aufbruch

Mittwoch nachmittag ging es los: Ausflug ins Winterfjäll. Erst am Montag hatten wir noch kurzentschlossen ein neues Zelt bestellt (einen roten Hilleberg-Tunnel). Zum Glück war fliegfix wirklich fix, wir bekamen es schon Dienstag von der Post zugestellt und konnten es noch am Abend im nächsten Park zur Probe aufbauen. Mit den voluminösen Daunenschlafsäcken und den ganzen selbstgenähten Wollklamotten erwies sich das Rucksackpacken als nicht ganz einfach, doch schließlich brachten wird den ganzen Kram unter. Silkes Rucksack wog 12 Kilo, Helmuts knapp 20. Die Pulka musste die restliche Last fassen: etwa 45 Kilo, davon 15 Kilo Verpflegung und 7 Liter Spiritus für den Kocher. Da die Pulka mit ihren Kufen nur auf Schnee und Eis zu bewegen ist, hatte Helmut aus Holz ein Rollbrett gebastelt für die An- und Abreise mit der Bahn.
Um 14.52 Uhr sollte unser Zug vom Wiener Westbahnhof losfahren. Als wir um kurz nach 14 Uhr endlich loskamen, brach noch auf der Türschwelle das Rollbrett unter der Last der Pulka zusammen. Zum Glück wohnen wir gegenüber eines Baumarktes, sodass Helmut noch in Windeseile einen Möbelroller besorgen konnte. Alle Rollen waren frei drehbar, entsprechend eigensinnig verhielt sich die Pulka: Beim Ziehen über unebenen Asphalt scherte sie aus und drohte gegen parkende Autos zu stoßen oder auf die Fahrbahn zu geraten, sodass Helmut sie ausschirren und im tief gebückten Gang (mit Rucksack am Buckel!) schieben musste. Währenddessen tickte die Uhr, wir hatten noch keine Tickets bis zur Landesgrenze und es wurde spannend, ob wir noch rechtzeitig zum Bahnhof kommen würden. Die Straßenbahn hatte Verspätung, unsere Reise begann mit unnötigem Stress. Erste Lektion: Gewichtseinsparung sollte nicht zu Lasten der Stabilität gehen. Zweite Lektion, banal: Zeitiger Aufbruch spart Stress! Besser mit „leerem Schreibtisch“ starten.
Ging sich alles knapp noch aus, und während wir unser sperriges Gepäck verstauten, rollte der Zug bereits an. Wir waren nicht mehr dazu gekommen, einen Proviantsack für unterwegs zu richten. Das Bordrestaurant ließ uns im Stich, sodass wir während der Fahrt unsere Stationen nach Aufenthaltszeit und Einkaufsmöglichkeiten prüften… Als wir in Frankfurt zum Gleis 1 gerollt waren, kam die Durchsage, dass unser Nachtzug auf Gleis 19 verlegt worden war… Bis wir dort hin gerollt waren und alles verladen hatten, blieb nicht mehr viel Zeit bis zur Abfahrt. Das Proviantbesorgen mussten wir abermals verschieben. Helmut sprintete los und besorgte uns aus einer der letzten noch offenen Bäckereien (gegen 22 Uhr schließen alle) Laugencroissants und eine kleine Wasserflasche. Diese war Gold wert, denn anders als sonst gab es in diesem Nachtzug kein Trinkwasser. Die schöne Überraschung: Wir hatten das Viererabteil für uns, sodass wir die Pulka und das Gestänge drinnen parken konnten, ohne anderen dadurch lästig zu fallen… die ruhigste Nacht überhaupt in einem Zug, auch ganz ohne Schnarchnachbarn.

reichlich Platz für die Pulka...

reichlich Platz für die Pulka…

Do, 21. März: Anreise

In Kopenhagen kamen wir eine halbe Stunde verspätet an und standen am Vormittag gemeinsam mit anderen Reisenden erstmal ratlos da: Der Anschlusszug nach Stockholm war gestrichen worden, wir mussten über Malmö weiter und dort erst in den reservierten Zug umsteigen. Da wir im Zug kein Frühstück bekommen hatten und unser Wasser längst aus war, hatte nun der Gang zum Bäcker Priorität. Mit gut gefüllten Papiertüten mit Zimtschnecken, Croissants, gefüllten Baguettes und reichlich Wasser machte die Weiterreise gleich mehr Spaß.
Im Zug waren wir und die anderen Trekking-Reisenden mit Pulken und großem Gepäck erstmal im Weg, ab Malmö auf unseren reservierten Plätzen wurde es besser.
In Stockholm wechselten wir Geld. Silke übernahm den Gang in den Supermarkt, um Brot, Butter, Getränke, Kekse und Lakritzschokolade zu kaufen, während Helmut das Gepäck bewachte. Zuerst stellte sie sich bei der automatischen Selbstzahlerkasse an – deren Handhabung sie nicht auf Anhieb durchschaute. An der Bedienungskasse dauerte das Anstellen nochmal extra lang, schon wieder wurde die Zeit knapp. Wir erreichten aber pünktlich den Zug und fanden uns zufällig im selben Abteilwagen wieder wie das deutsche Paar aus Reutlingen, das wir in Malmö beim Warten kennengelernt hatten. Die beiden waren schon öfter winters im Fjäll gewesen und hatten ihre Pulken per Post vorausgeschickt, sie waren nur mit Skiern und Rucksäcken unterwegs nach Abisko. Unsere selbstgemachte Ausrüstung weckte Neugier. Erfahrungsaustausch, immer gut!

Fr, 22. März: (noch immer Anreise), Ankunft in Kebnats – Langas

Am späteren Vormittag kamen wir in Gällivare an und hatten ein paar Stunden Zeit – endlich! Silke wartete im improvisierten Containerwarteraum, während Helmut einkaufen ging. Schubweise kamen Grüppchen anderer schwer bepackter „Reisevögel“ dazu. Der Ticketautomat verleitete Silke dazu, das Busticket nach Kebnats gleich zu kaufen. Ein bisschen bereuten wir das später, denn die Busfahrerin ließ aus unerfindlichen Gründen alle gratis mitfahren… (bei einem Fahrpreis von ca. 30 Euro pro Person). Die coole Dame in mittleren Jahren hatte uns schon auf der Rückfahrt letzten Sommer chauffiert – nun brauste sie mit größtmöglicher Gelassenheit die verschneiten Waldstraßen entlang und hielt öfters, um blaue Posttaschen aus dem Fenster zu werfen oder von einem Mitfahrer einsammeln zu lassen.
Wir stiegen in Kebnats aus und taperten im Abendsonnenschein auf unseren Schneeschuhen den Scootern hinterher übers Eis des zugefrorenen Langas-Sees.

am Langas

am Langas

Die Winterroute über den See verläuft im weiten Bogen am Ufer entlang. Silkes übergroße Schuhe bereiteten ihr Probleme (sie hatte extra ein Paar von Helmut ausgeborgt, ca. 3 ½ Nummern zu groß – für warme Socken und Luftschicht). Die Entfernung hatten wir etwas unterschätzt, denn wegen des dünnen Eises in der Mitte war die Distanz nicht zwei, sondern vier Kilometer. Am Ufer bauten wir das Zelt auf (Helmut, denn Silke war ziemlich fertig). Das neue Hillebergzelt erwies sich als absolut wintertauglich.

beim Zeltaufbauen

beim Zeltaufbauen

Im Vorzelt hatten wir eine kleine Grube als Kochplatz ausgehoben und unsere dicken Isomatten isolierten uns gegen die Bodenkälte. Die Daunenschlafsäcke hielten uns mollig warm. Allerdings war die Nachttemperatur außen mit -7°C (innen: – 2°C) noch unerwartet mild.

Sa, 23. März: Langas – Saltoluokta – Raseluokta

Wir waren gegen 7 Uhr schon munter und freuten uns über den aufgeklarten Himmel.

Morgenstimmung am Langas

Morgenstimmung am Langas

Bis 9 hatten wir gefrühstückt (Haferbrei und die Reste vom Abendessen) und waren aufbruchsbereit. In der Fjällstation Saltoluokta reservierten wir unterwegs eine Übernachtung für den 31. März samt Abendessen. Wir wurden Mitglieder im schwedischen Touristenverein, einem Äquivalent zum Alpenverein (lohnt sich schon bei wenigen Übernachtungen). Unser Pulka-Rollbrett hatte das freundliche Personal in Verwahrung genommen. Der Blick auf die Wettervorhersage machte Mut: für die kommende Woche waren weiterhin milde Temperaturen zwischen -6 und -8 Grad und gute Wetterverhältnisse gemeldet, nur für den 25.3. war stärkerer Schneefall angekündigt (ein Ruhetag?).
Bei frühlingshaften Temperaturen und strahlendem Sonnenschein zogen wir durch den Föhrenwald aufwärts. 350 Höhenmeter gehen ganz schön in die Beine, wenn man mit Rucksack auf Schneeschuhen unterwegs ist! Wir profitierten allerdings von der ausgetretenen Spur des Kungsleden.

Teepause

Teepause

Je höher wir stiegen, desto mehr dominierten Birken die Vegetation, bis der Wald sich mehr und mehr lichtete.

Blick zurück über den Langas

Blick zurück über den Langas

Nach etwa einer Stunde hatten wir die Baumgrenze passiert und befanden uns im Hochfjäll. Ein eisiger, scharfer Westwind blies uns entgegen. Entsprechend kurz gestalteten wir unsere Mittagspause und zogen Schneebrillen und Sturmhauben tief ins Gesicht. Danach verließen wir den Kungsleden nach Westen und gingen anhand der Karte ohne Spur querfeldein weiter. Die Orientierung war aufgrund des guten Wetters einfach und bereits am frühen Nachmittag erreichten wir die große Ebene östlich des Pietsaure. Hier schlugen wir etwa einen Kilometer vom Ufer entfernt unser Lager auf; insgesamt waren wir ungefähr 9 km marschiert.Den Pietsaure wollten wir am nächsten Tag erst überschreiten. Die Tomatensuppe und das Reisgericht schmeckten herrlich.

Zeltaufbau

Zeltaufbau

Im Voraus waren wir etwas unsicher gewesen, wie wir bei dauerhaft tiefen Temperaturen mit dem Brennspiritus zurecht kommen würden. Umso erfreuter waren wir, dass sich der Spiritus bei ca. – 7°C mit dem Vorheiz-Set problemlos entzünden ließ und auch die Heizleistung zum Kochen mehr als ausreichte. Wir hatten einen deutlich höheren Brennstoffbedarf erwartet. Die Nacht war sehr windig, und Silke schlief unruhig wegen der lauten Geräuschkulisse. Die Nachttemperaturen waren ähnlich wie am Vortag.

bei Nacht

bei Nacht

So, 24. März 2013: Pietsaure

In der Früh hing unser kondensierter Atem als Eisblumenwiese über unseren Köpfen an der Decke. Der Wind brandete donnernd gegen die Zeltwände und ließ sie knattern wie Segel. Silke war diesmal schwer zum Aufstehen zu motivieren. Sie kam sich vor wie in einer Nußschale auf offener See und wäre am liebsten gar nicht aus dem warmen Schlafsack gekrochen.

vereistes Zelt im Morgenrauen

vereistes Zelt im Morgenrauen

Lichtstimmung

Lichtstimmung

Nach Schokohaferfrühstück mit Bananenflocken und isotonischem Getränk hob sich die Laune. Gegen 11 Uhr war das Zelt im starken Wind endlich sicher abgebaut. Der Gegenwind war so stark, dass wir Schwierigkeiten hatten, voranzukommen. Wir trugen heute doppelte Lagen Handschuhe, die schwere Wollsturmhaube, Skihose und Skibrille. Bald überholte uns ein Scooter, auf dessen Anhänger eine Gruppe Reisender mit schwerem Gepäck saßen. Offenbar wollten diese von Saltoluokta aus schneller Richtung Sarek gelangen. In der Spur des Scooters arbeiteten wir uns mühsam gegen den Wind vorwärts. Helmut hatte Silkes Rucksack auf die Pulka genommen, sodass Silke nun leichtfüßiger als er unterwegs war. Als der Wind weiter zunahm entschieden wir uns, begannen wir nach einer möglichst windgeschützten Stelle für ein Lager Ausschau zu halten. Fündig wurden wir in einer kleinen Bucht, wo niedriges Gehölz unserem Zelt notdürftigen Windschutz bot. Aufgrund des Wetterberichts erwarteten wir einen Schlechtwettereinbruch und gedachten hier gegebenenfalls bis auf Weiteres auszuharren. In knapp drei Stunden hatten wir heute kaum 7 km zurückgelegt. Nachdem der lose Tiefschnee am Zeltplatz festgestampft und das Zelt aufgestellt war, kam noch einmal kurz die Sonne hervor.

Zeltplatz am Südufer des Pietsaure

Zeltplatz am Südufer des Pietsaure

Als draußen wieder der Wind einsetzte und es zu schneien begann, kochten wir uns Broccolisuppe und Couscous. Dann widmeten wir uns der am Vorabend begonnenen Lektüre von Halldór Laxness (Am Gletscher).

Mo, 25. März: Pietsaure – Sluggá

Die Nacht war die bisher kälteste: nach Sonnenaufgang lag die Innentemperatur im Zelt bei -6°C. Dafür war der heftige Wind abgeflaut, am Zeltplatz herrschte Windstille und Sonnenschein vor strahlend blauem Himmel. Rasch war das Innenzelt aufgewärmt und die Feuchtigkeit nach draußen diffundiert. Wir waren wirklich froh, die rote Variante des Zeltes mit gelben Innenzelt gewählt zu haben, dass unsere Rucksäcke blau leuchteten und eine Matte grün, die andere orange war. Jeder Farbtupfer inmitten der weißen Wüste stärkt das Gemüt und stimmt ein bisschen fröhlich… Gegen 9.30 Uhr waren wir aufbruchsbereit.

aufbruchsbereit

aufbruchsbereit

Als wir unten am See waren empfing uns wieder unser alter Bekannter, der unangenehme Gegenwind. Entsprechend lang wurde uns der Weg, bis wir endlich das Westufer des Pietsaure erreichten.

am See, im Hintergrund: Sluggá

am See, im Hintergrund: Sluggá

Blick zurück über den See

Blick zurück über den See

An einem großen Felsklotz machten wir erstmal Mittagsrast und genossen den herrlichen Sonnenschein, das glänzende Eis und unsere Müsliriegel.

Mittagsrast

Mittagsrast

Am Südufer des im Mündungsbereich offenen (!) Spádnejåhkå zogen wir weiter Richtung Rissájávre. An der felsigen Erhebung Guokńok verloren wir kurzzeitig die Spur, was bei den guten Orientierungsverhältnissen aber keine Probleme bereitete.

Richtung Rissájávre, Blick nach Nordwesten

Richtung Rissájávre, Blick nach Nordwesten

nördlich des Sluggá

nördlich des Sluggá

Noch war es recht früher Nachmittag und wir waren wider Erwarten gut vorangekommen, nachdem wir den windigen See verlassen hatten. So entschlossen wir uns, nach einer weiteren Pause vom Rissájávre noch am selben Tag nach Süden aufzusteigen und so den Sluggá, dessen kegelförmiger Gipfel uns schon die letzten Tage begleitet hatte, zu umrunden. Plötzlich hörten wir Hundegebell. Augenblicke später kamen uns sechs Schlittenhund-Gespanne entgegen.  Bei einem kurzen Gespräch mit dem Anführer der Schweizer Gruppe stellte sich heraus, dass sie in der Früh von Rinim, unserem nächsten Etappenziel, aufgebrochen waren. Bis dorthin stand uns also praktischerweise eine gute und eindeutige Spur in Aussicht. Sofort machten wir uns wohlgemut daran, ihr zu folgen. In weitem Bogen führte sie uns Richtung Süden, immer höher den Hang des Sluggá empor.

mit Pulka bergauf

mit Pulka bergauf

  immer ein Lächeln auf den Lippen!

immer ein Lächeln auf den Lippen!

Eigentlich hätten wir weiter unten im Tal dem Sluggájáhká folgen wollen, doch für die sichere Spur nahmen wir die Höhe in Kauf – und wurden mit einer herrlichen Aussicht belohnt!

Blick nach Westen

mit dem weiten Winkel

mit dem weiten Winkel

Sarek voraus!

Sarek voraus!

das Sluggá schon hinter uns

das Sluggá schon hinter uns

Einige Kilometer südlich des Sluggá-Gipfels auf etwa 850 m Seehöhe fanden wir inmitten der blockübersäten Hochfläche einen malerischen Zeltplatz.

schon werden die Schatten lang...

schon werden die Schatten lang…

Insgesamt hatten wir an diesem Tag fast 12 km zurückgelegt und waren entsprechend erschöpft. Nach Spargelcremesuppe und Kräuternudeln in Sauce legten wir uns schlafen. In der Nacht wurde es so richtig kalt.

im Zelt

im Zelt

Di, 26. März: Sluggá – Rinim

Die Innentemperatur im Zelt betrug morgens -17°C, entsprechend muss die Nachttemperatur unter -20°C gelegen haben. Dies sollte unsere kälteste Nacht bleiben. In den Schlafsäcken war uns dennoch kuschelig warm. Bei der Kälte fiel uns das Aufstehen schwer. Um 7 Uhr lag die Innentemperatur noch bei -15°C, um 9 war sie auf -5°C gestiegen. Wir frühstückten Apfelzimtbrei mit getrockneten Beeren und begannen zusammenzupacken.

morgendlicher Zeltplatz, Blick Richtung Sarek

morgendlicher Zeltplatz, Blick Richtung Sarek

Helmut hatte Verdauungsprobleme und war übel gelaunt, auch weil er in der Nacht seine Schuhe im Vorzelt vergessen hatte und sie nun innen vereist waren. Bald hob aber die atemberaubende Aussicht Richtung Sarek seine Stimmung wieder.

Blick Richtung Liehtjitjávrre und Sarek

Blick Richtung Liehtjitjávrre und Sarek

Detail

Detail

Die Hundespur führte im weiten Bogen zunächst westwärts und bog erst kurz vor Guordesluoppal in das Tal des Sijddoädno nach Süden ab. Bis nach Rinim stand uns eine lange, lange Tagesetappe bevor.

vor Guordesluoppal

vor Guordesluoppal

abgeblasener Hang

abgeblasener Hang

 Sluggá weit hinter uns

Sluggá weit hinter uns

Zunächst war aber Mittagspause angesagt: Helmut war beim Ziehen der Pulka ins Schwitzen geraten und beging nun die Dummheit, sich zum Trocknen bis auf das Merinounterleibchen auszuziehen. Bei -8°C trotz Sonnenscheins gar keine gute Idee! Am zugefrorenen Flusslauf des Sijddoädno ging es nun abwärts ins immer enger werdende Tal hinein.

am Sijddoädno

am Sijddoädno

Trotz des landschaftlichen Reizes merkten wir, wie unsere Beine immer müder wurden. Kurz vor dem Eingang des Basstavágge wechselten wir der Spur folgend auf das linke Flussufer, wo wir die Talstufe zum Mündungsbereich überwanden. Erst im Nachhinein konnten wir sehen, dass am rechten Flussufer ein Vorankommen nur sehr schwer möglich gewesen wäre, was aus der Karte nicht ersichtlich gewesen war.

Abstieg nach Rinim

Abstieg nach Rinim

Eingang ins Basstavágge

Eingang ins Basstavágge

im Mündungsbereich

im Mündungsbereich

Im Mündungsbereich war über weite Strecken hinweg ein vernehmliches Glucksen, an manchen Stellen sogar Rauschen des Flusses unterm Eis zu hören, was uns zu erhöhter Wachsamkeit veranlasste. Auf einer Insel im Delta errichteten wir kurz vor Sonnenuntergang unser Nachtlager. Wir hatten etwa 15 km zurückgelegt. Am Abend bekam Helmut Schüttelfrost und leichtes Fieber, konnte aber schließlich einschlafen.

Mi, 27. März: Sitojaure

Am Morgen schien Helmut wieder fieberfrei zu sein, Verdauungsprobleme hatten wir aber beide. Ob die vielen Fertiggerichte von unserem Speiseplan oder das Schmelzwasser verunreinigten Schnees dafür verantwortlich waren, wussten wir nicht. Zum Glück waren Kohletabletten in der Reiseapotheke. Statt des Breis aßen wir heute Knäckebrot mit Butter zum Frühstück. Der Blick aus dem Zelteingang nach oben verhieß vorerst nichts Gutes: Über uns hing eine dicke Wolkendecke, aus der es leicht schneite. Die Gipfel der am Westufer gegenüber liegenden Berge waren in Wolken gehüllt. Als wir fertig gefrühstückt, gepackt und das Zelt abgebaut hatten, setzte sich die Sonne jedoch durch.Die Nebelschwaden hoben sich, der Himmel wurde blau. Beschwingt zogen wir los – auch wenn Helmut etwas matt war. Wir hatten großes Glück, dass der nächtliche Wind die Schlitten- und Scooterspuren nicht zerstört hatte. Wegen der rauschenden Stellen im Mündungsbereich befürchteten wir, dass das Eis nicht überall sicher wäre (Helmut hatte schon eine längere Umgehungsroute geplant für den Fall, dass wir die Spur verlieren würden).

Blankeis

Blankeis

 Mündungsdelta mit Namádis

Mündungsdelta mit Namádis

Bald öffnete sich vor uns die weite Eisfläche des zugefrorenen Sitojaure-Sees.

wieder nach Osten...

wieder nach Osten…

Rückblick

Rückblick

Nach einigen Kilometern machten wir auf Höhe einer Kate am Ufer eine kleine Rast und wärmten uns mit einer Tasse Tee. Da unser Ziel noch in weiter Ferne am Horizont lag, brachen wir bald wieder auf.

es öffnet sich der See

es öffnet sich der See

Ab der Mittagszeit wurde es immer wärmer und auf der ringsum glitzernden Eisfläche gerieten wir ganz schön ins Schwitzen. Erst spät merkten wir, dass wir auf dem harten Untergrund des gefrorenen Sees ohne Schneeschuhe deutlich rascher vorankamen als mit. Zwischendurch übernahm Silke eine Weile die Pulka und legte – von den schweren Schneeschuhen befreit – ein ordentliches Tempo vor.

Silke mit der Pulka

Silke mit der Pulka

 unser Ausgangspunkt Rinim in weiter Ferne

unser Ausgangspunkt Rinim in weiter Ferne

Dennoch dauerte es bis zum frühen Abend, ehe wir die Samensiedlung Vágge Várásj erreichten.  Der Hüttenwart der Sitojaure-Stugorna (den dortigen Selbstversorger-Hütten des STF, ohne elektrischen Strom) hatte uns schon herankommen sehen, begrüßte uns freundlich und wies uns ein heimeliges holzgetäfeltes Zimmerchen in der ansonsten fast leeren Hütte zu. Was für eine Wohltat – in eine geheizte Stube zu kommen…! Nach einem ausgiebigen Abendessen fielen wir müde in die Betten.

Abendessen in der Hütte

Abendessen in der Hütte

Do, 28. März 2013: Sitojaure-Hütten (Ruhetag)

Da wir dank des guten Wetters erfreulich rasch vorangekommen waren, gönnten wir uns heute einen Ruhetag. Den Vormittag verbrachten wir mit Faulenzen und Tagebuchschreiben. Am Nachmittag unternahm Helmut einen kleinen Ausflug zum Berg Tjirák, dessen Steilwand wenige Kilometer nördlich der Hütte imposant emporragt. Von der Rückseite (Norden) gelangte er verhältnismäßig bequem auf den Gipfel, wo ihn ein einsames Rentier und eine atemberaubende Aussicht über den vortags passierten Sitojaure erwarteten.

Rentier am Gipfel

Rentier am Gipfel

Blick Richtung Rinim

Blick Richtung Rinim

Schneeverwehungen, Blick nach Nord

Schneeverwehungen, Blick nach Nord

Leider war der Himmel in der Zwischenzeit etwas eingetrübt, und erst am Rückweg kurz vor den Hütten kam die Abendsonne zum Vorschein.

im Birkenwald, Blick nach Osten

im Birkenwald, Blick nach Osten

Silke hatte in der Zwischenzeit in aller Ruhe ihre Notizen weitergeführt, sich etwas gekocht und dabei im Gruppenraum Kontakt zu den neu eingetrudelten Franzosen geknüpft. Das Wetter war übrigens nur im Osten der Skanden in den letzten Tagen so gut gewesen – auf der Westseite, u.a. auch in Abisko, habe es öfters starken Schneefall und Wind gegeben. Helmut stieß pünktlich zum Abendessen dazu. Von einer Französin hatte Silke erfahren, zu welcher Tageszeit und an welcher Himmelsposition die Gruppe in den vergangenen Tagen Nordlichter (Aurora borealis) gesehen hatte. Frisch motiviert beschlossen wir, uns diesen Abend konsequent auf die Lauer zu legen: Wir zogen unsere gesamte warme Kleidung über, nahmen die dicken Unterlagsmatten, Kamera und Stativ und setzten uns erwartungsvoll hinaus aufs Eis. In unserem Eifer viel zu früh… Als wir nach über einer Stunde die Dämmerung hinter uns gebracht hatten und noch immer nichts zu sehen war, wollten wir unsere frostige Sitzmeditation bereits beenden. Plötzlich erschien direkt über der Hütte ein blassgrüner Schimmer – das Schauspiel begann, und diesmal sahen auch wir die Polarlichter….

aurora borealis I

aurora borealis I

Fr, 29. März: Sitojaure – Autsutjvagge (vindskytt)

An diesem Tag stand uns bloß eine kurze Etappe von etwa 11km entlang des Kungsleden bevor. Deswegen ließen wir es in der Früh gemütlich angehen: Ausgiebiges Frühstück, Reinigen der Hütte, Wasserholen am Eisloch für die nächsten Gäste – Packen. Als wir loskamen, war es schließlich Mittag. Vom strahlend blauen Himmel schien die Sonne, und rings um uns taute der Schnee. Die Temperatur lag um den Gefrierpunkt. Frohen Mutes zockelten wir durch den Wald hinter den Hütten ins Kahlfjäll empor.

die Sitojaure Hütten

die Sitojaure Hütten

 Tjirak

Tjirak

Nach etwa 150 Höhenmetern war die Steigung überwunden und es ging im welligen Gelände weiter Richtung Norden. Das breite Tal wurde von beiden Seiten von Höhenrücken gesäumt, neben uns wandte sich tief eingeschnitten der Ávtsusjjåhkå. Mal zogen wir direkt an seinem Ufer entlang, dann entfernten wir uns wieder weit Richtung Westen. Plötzlich verspürte Helmut einen Ruck an seiner Hüfte, die nächsten Schritte fielen ihm verdächtig leicht… Das Seil, welches durch das Zuggestänge der Pulka gezogen (gewesen) war, war an einem Ende durchgescheuert und gerissen. Zwar hatten wir ein Ersatzseil dabei, doch bei dem schneidenden Wind war im ausgesetzten Gelände an eine Reparatur nicht zu denken. Kurzerhand packten wir das Gestänge auf die Pulka und Helmut zog die Pulka am bloßen Seil weiter.

wo ist der Fehler?

wo ist der Fehler?

Solange der Kungsleden eben verlief, funktionierte diese Lösung ganz gut. Doch als das Gelände zunehmend hügelig wurde, fuhr ihm die Pulka schon beim kleinsten Gefälle mangels Abstandshalter in die Kniekehlen… Die letzten paar Kilometer bis zur Rasthütte im Autsutjvagge waren äußerst beschwerlich. Dabei stand uns der richtige Abstieg erst bevor!

Tal des Ávtsusjjåhkå

Tal des Ávtsusjjåhkå

Als wir abgekämpft bei der Rasthütte angelangt waren, entschieden wir uns, die Nacht über in der Hütte zu bleiben und nicht noch im starken Wind das Zelt aufzubauen. Zum Glück war reichlich Brennholz vorhanden, sodass bald ein lustiges Feuerchen im Ofen brannte und behagliche Wärme verströmte. Das Hütteninnere wirkte nach einigen Reinigungsmaßnahmen beinahe gemütlich, auch wenn wir den Plankenboden nicht vom dicken Eis befreien konnten. Als dieses antaute, wurde es rutschig. Wir krochen bald in unsere Schlafsäcke und lasen Halldor Laxness.

Windschutz

Windschutz

Als wir zu später Stunde nochmal vor die Tür gingen, erlebten wir eine spektakuläre polychrome Aurora borealis. Riesengroß, den ganzen Himmel umspannend!

aurora borealis II

aurora borealis II

aurora borealis III

aurora borealis III

Ostersamstag, 30. März: Autsutjvagge – Saltoluokta

Bevor wir morgens aufbrachen, gelang es Helmut, das Gestänge mit dem Ersatzseil notdürftig zu reparieren. Knappe 10km trennten uns nun noch von der Fjällstation in Saltoluokta. Der Wind vom Vortag war inzwischen zu einem veritablen Sturm angewachsen und heulte im Ofenrohr… Wir hatten Mühe, die Tür der Hütte gegen den Wind überhaupt aufzubekommen. Trotz des Sonnenscheins lag die gefühlte Temperatur bei minus 25 Grad. Wir mussten uns die warmen Sturmhauben samt Skibrillen überziehen und doppelte Lagen Gewand tragen.

Sjäksjo

Sjäksjo

unterwegs

unterwegs

Das Vorankommen war schwierig, der Seitenwind drohte uns ständig umzuwehen. Zeitweise drehte die Windrichtung von Westen auf Nordwesten oder Norden, sodass uns dann der Sturm frontal entgegenkam. Die am Boden flitzenden Schneeflocken wirkten auf uns wie ein Sandsturm, während darüber blitzblanker Himmel strahlte.

 eingemummelt

eingemummelt

Blick Richtung Pietsaure

Blick Richtung Pietsaure

im Sturm

im Sturm

Erst als wir den Eingang Richtung Pietsaure passiert hatten und in den Windschatten des Lulep Gierkav gelangt waren, wurde es ruhiger. Da es noch früh am Tag war, beschlossen wir, einen kleinen Abstecher Richtung Osten zu machen und über den Hügel Gejnutoalgge nach Saltoluokta hinunter zu laufen. Beim Aufstieg gerieten wir tüchtig ins Schwitzen, wurden aber mit einem herrlichen Ausblick belohnt.

Abstecher mit Aussicht

Abstecher mit Aussicht

am Geijnutoallge

am Geijnutoallge

Blick über den Langas

Blick über den Langas

Deutlich war von hier oben auch der offene Bereich in der Mitte des Langas zu sehen. Nach einer kleinen Mittagspause machten wir uns an den Abstieg, kamen bald in den Wald und erreichten noch am frühen Nachmittag die belebte Fjällstation Saltoluokta, die sich schon von weitem durch Hundegeheul und Motorengeräusche bemerkbar machte.

Erst auf den letzten Kilometern waren uns wieder einige Wandersleute begegnet. Während des Sturms waren wir auf unserem Streckenabschnitt praktisch als einzige unterwegs gewesen. In der Fjällstation fanden wir heraus, dass wir großes Glück hatten: obwohl wir unsere Übernachtung erst kurzfristig von Sitojaure aus dazugebucht hatten (da wir ja einen Tag „zu schnell“ unterwegs gewesen waren), bekamen wir ein äußerst wohnliches Zimmerchen im Haus Kierkau. Lustigerweise stand vorm Eingang die Zwillingsschwester unserer alten Segebaden-Pulka, auch aus Holz mit rotem Tuch, und sogar mit dem Original-Rattangestänge…

im Kiefernwald

im Kiefernwald

Unsere Rückkehr in die Zivilisation wurde bekrönt von dem fürstlichen Osterbüffet, in dessen Genuss wir zufällig heute gelangten. Nun ja, es kostete auch ein kleines Vermögen! Aber das war es allemal wert. Gemeinsam mit fast ausschließlich schwedischen Familien saßen wir an kleinen Gruppentischen im Matsaal und erlebten, wie die Schweden fröhlich und ausgelassen die Osternacht feierten, mit Gesang, Musik und allem drum und dran. Und erst der Lachs…

Ostersonntag, 31. März: Saltoluokta (Ruhetag)

Am Vormittag siedelten wir ins historische Hauptgebäude um und teilten uns das Familienzimmer mit zwei deutschen Neuankömmlingen. Die originalgetreue Einrichtung ließ so etwas wie „Pionierstimmung“ aufkommen.

Zimmer im historischen Hauptgebäude

Zimmer im historischen Hauptgebäude

Erst hier und heute kamen wir dazu, Postkarten zu kaufen und zu beschreiben. Am Nachmittag suchten wir die Sauna auf: eine belebende Erfahrung, und die birkengesäumte Aussicht der Sauna von Saltoluokta auf den zugefrorenen Langas vor Gebirgskulisse ist schwer zu überbieten.
Als wir um 18 Uhr den Speisesaal betraten, wunderten wir uns, warum alle bereits mitten beim Essen waren. Am Vortag hatten wir doch um diese Zeit noch vor dem Saal gestanden und unsere Plätze waren uns einzeln zugewiesen worden…?! Des Rätsels Lösung: Wir hatten die Umstellung auf Sommerzeit verpasst. Es war bereits 19 Uhr, und wir konnten von Glück reden, dass uns noch etwas zu Essen gebracht wurde. Hätten wir an diesem Tag kein Abendessen reserviert, wäre uns die Zeitumstellung wohl erst beim Verpassen des Busses am kommenden Morgen bewusst geworden… Glück gehabt!

Ostermontag, 1. April: Saltoluokta – Kebnats – Gällivare

Am kommenden Morgen brachen wir nach Sommerzeit um 7:30 Uhr auf und erreichten nach ziemlich genau einer Stunde die andere Seeseite.

offizielles Abschlussphoto

offizielles Abschlussphoto 😉

Das Warten auf den Bus verkürzten wir uns mit einem ausgiebigen Frühstück. Trotz des Feiertages hatte zu unserem Glück der Supermarkt in Gällivare geöffnet, sodass wir uns reichlich mit Reiseproviant eindecken konnten. Am frühen Abend stiegen wir in den Nachtzug Richtung Stockholm, wo wir noch mit einem schwedischen Paar länger plauderten. Wir erfuhren unter anderem, dass wegen der heftigen Sonnenaktivität in den vergangenen Tagen Polarlichter bis hinunter nach Stockholm gesichtet worden waren… Irgendwann überquerten wir wieder den Polarkreis, und am nächsten Morgen wachten wir bereits in Südschweden auf.

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