Sarek (16. – 31. 07. 2012)

Durchquerung des Sarek Nationalparkes in Nordschweden

Reisezeitraum: 14. Juli – 02. August 2012
Route: Ahkka – Ruohtesvagge – Skarja – Rapadalen – Kungsleden – Saltoluokta
Teilnehmer: Silke u. Helmut
Der folgende Bericht wurde erstmals auf http://trittspuren.wordpress.com/sarek-2012/publiziert und ist hier mit geringfügigen Änderungen übernommen, © an Text und Bildern: Silke Hahn u. Helmut Lotz

Planung
Eine mehr als zweiwöchige Tour in der Wildnis bedarf einiger Vorbereitung. Dazu gehört vor allem eine sorgfältige Routenplanung, die Auswahl und Beschaffung der nötigen Ausrüstungsgegenstände sowie der Verpflegung.
Bereits im Winter hatten wir damit begonnen, uns eine Route durch den Sarek zu überlegen. Dazu war das entsprechende Blatt der Fjällkartan 1:100 000 (BD 10) vonnöten, darüber hinaus leistete uns der seit kurzem auch in deutscher Sprache erhältliche Wanderführer von Axel Grundsten (A. Grundsten, Sarek. Trekking in Schweden: Wanderführer, Bielefeld 2011) wertvolle Hilfe. Dass es eine Durchquerung und keine Rundtour werden sollte, war bald klar. Weitere Kriterien waren die Vermeidung problematischer Furten und wegen der schweren Rucksäcke möglichst wenige Steilpassagen. Für eine erste Tour im Sarek bieten sich vor allem die Haupttäler an, welche diese Kriterien mehr oder weniger erfüllen: Das Sarvesvagge und das Álgavágge schieden in unserer Überlegung wegen ihres Weidengestrüpps aus, und das Njoatsosvágge wegen möglicher schwieriger Furten, zumale wir noch etwas früh im Jahr dran waren. Da wir gerne das Laitaure-Delta und das Rapaselet sehen wollten, war das Rapadalen schon einmal ein Fixpunkt. Als nördliche Erweiterung boten sich das Ruohtesvágge und das Guohpervágge an, wobei wir uns für ersteres entschieden. Von Nord nach Süd zu gehen schien uns etwas einfacher, vor allem aufgrund des steilen Aufstieges in das Snávvávágge, in welchem wir einen Abschnitt des mittleren Rapadalen umgehen wollten. Ausgangspunkt war also Ritsem, sodass wir uns zu Beginn noch einige Kilometer auf dem Padjelantaleden einlaufen konnten. Im unteren Rapadalen wollten wir uns hoch oben am Nordhang halten, was uns einige Kilometer Urwald und tiefe Furten ersparen sollte. Ob wir vom Skierffe südwestlich nach Kvikkjokk oder nördlich nach Saltoluoka laufen wolltenürden, hielten wir uns offen.
Vor Ort entschieden wir uns dann aus Zeitgründen für die etwas kürzere nördliche Variante. Die folgenden beiden Satellitenbilder illustrieren die tatsächlich gewählte Route.

Route (Teil 1)

Route (Teil 2)

Höhenprofil

Bei einer so langen Tour ohne die Möglichkeit Lebensmittel nachzukaufen kommt alleine schon durch den Proviant ein ordentliches Gewicht zusammen. Zusätzlich galt es zu berücksichtigen, dass wir unterwegs keine Möglichkeit zur Müllentsorgung haben würden. An Ausrüstung sollte natürlich nur das Nötige mit, und das möglichst leicht. Da unsere studentischen Mittel aber recht beschränkt ist, mussten wir uns anstelle von neuester ultra-light Ausrüstung meist mit Vorhandenem begnügen. Ein paar Neuanschaffungen waren dennoch nötig. Von diesen sollten sich besonders die wasserdichten Packsäcke der Firma Exped bewähren.

Packliste Sarek 2012

Diese Packliste war das Endprodukt langer Abwägungen und Überlegungen. Freilich finden sich zahlreiche Gegenstände, welche noch eingespart hätten werden können, oder besser durch leichtere ersetzt worden wären. Doch auf ein wenig Komfort wollten wir im Urlaub dann doch nicht verzichten, und schließlich sollten wir außer einigen Rationen Müslis und ein paar kurzen Leibchen so ziemlich alles brauchen…
Die Verpflegung sollte jedem von uns täglich 2700 kcal Brennwert zuführen. Das deckt zwar nicht vollständig den Verbrauch, wurde von uns aber als ausreichend empfunden. Zur besseren Einteilung packten wir vieles bereits rationsweise ab. Die Basis unserer Ernährung sollten Müsli mit von uns zugesetzten Trockenfrüchten und Nüssen am Morgen, Suppe oder Tsampa zu Mittag und Nudel- oder Reisgerichte, wahlweise mit oder ohne Suppe abends bilden. Dazu kamen 50g Schokolade und 1 Müsliriegel pro Tag und Person. Des weiteren Käse, Salami, Olivenöl, Mehl und Gewürze, sodass wir uns nicht nur von Fertiggerichten ernähren mussten. Bei letzteren verzichteten wir aus Kostengründen auf spezielle Trekkingkost und wählten möglichst energiereiche und leichte Packungen aus dem Supermarkt, wobei sich besonders Produkte von Knorr dank stabiler Verpackungen, verhältnismäßig hoher Nährwerte und des Verzichts auf Geschmacksverstärker bewährten.

Anreise
Mit der Bahn dauert die Fahrt von Wien nach Stockholm etwas über 24 Stunden, die Weiterreise über den Polarkreis nach Gällivare und von dort mit dem Bus nach Ritsem noch einmal rund 17 Stunden. Das ist zwar eine ganze Weile, doch im Grunde recht angenehm: Auf einer so langen Bahnfahrt kann man sich langsam vom Alltag lösen und auf die Reise einstimmen. Außerdem lernt man viele interessante Mitreisende kennen und bekommt jede Menge Landschaft zu Gesicht. Die Reise mit der Bahn ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern mit einem Interrail-Ticket meist auch erheblich günstiger als mit dem Flugzeug. Mit so schweren Rucksäcken wie den unseren wäre ein Flug ohnedies kaum möglich gewesen. Vorab vorgenommene Reservierungen für Liege- und mitunter auch Sitzplätze waren teilweise obligatorisch und erwiesen sich auch ansonsten als hilfreich, da einige Teilstrecken recht stark genutzt werden. Wir stiegen am Abend in den Nachtzug von Wien nach Hamburg und fuhren von dort aus weiter über Kopenhagen und Malmö nach Stockholm, wo wir am nächsten Abend anlangten.

auf der Fähre Puttgarden - Rødby

auf der Fähre Puttgarden – Rødby

auf dem Weg durch Südschweden

auf dem Weg durch Südschweden

Dort erwartete uns strömender Regen, der uns nicht davon abhielt, auf einem hübsch in einem Wäldchen gelegenen Campingplatz etwas außerhalb der Stadt im Zelt zu übernachten. Bei wechselhaftem Wetter besichtigten wir am folgenden Tag Stockholm. Unser Vorhaben, zu diesem Zweck unser Gepäck in einem Schließfach am Bahnhof zu verwahren, erwies sich als schwieriger als gedacht: Fast alle Fächer waren bereits belegt, und von den noch freien war keines groß genug für unsere Rucksäcke. Nach längerer Suche fanden wir schließlich am Busbahnhof doch zwei passende Schließfächer und konnten unseren Bummel durch die Altstadt und Riddarholmen um die Mittagszeit beginnen. Als am Abend der schwere Nachtzug Richtung Narvik einfuhr, war der Bahnsteig voll mit Rucksackreisenden in Wanderstiefeln. Über Nacht sammelten wir einiges an Verspätung, sodass bei unserer Ankunft in Gällivare der morgendliche Bus nach Ritsem bereits abgefahren war.

am Bahnhof in Gällivare

am Bahnhof in Gällivare

noch etwas müde?

noch etwas müde?

Noch bevor wir uns aber selbst Gedanken über unsere Weiterfahrt machen konnten, hatte die schwedische Bahn vorbildlich umgehend für einen Ersatz gesorgt. Als sich dieser auch noch als kostenlos erwies, konnten wir unser Glück kaum fassen…

Tag 1: Ahkka
Ein himmelblaues Motorboot schipperte uns mit einigen anderen schwer bepackten Wandersleuten über den Stausee Akkajaure (Fährgeld für den samischen Kapitän: 200 SEK).

Überfahrt über den Akkajaure

Überfahrt über den Akkajaure

Mit 23 bzw. 38 Kilo am Buckel mussten wir dann erstmal die Uferböschung überwinden. Und da waren wir: am Padjelantaleden, dem Ausgangspunkt unserer Tour. Es ging zunächst gemächlich weiter, vorbei an den Akkastugorna (Akkahütten) zur Brücke über den Vuojatädno.

Vuojatädno vor dem Áhkka

Brücke über den Vuojatädno

Der Vuojatädno entwässert die großen Seen des Padjelanta und strömt hier mit gewaltigem Tosen in den Akkajaure. Von Westen trübte es ein – noch wussten wir nicht, dass sich die Sonne erst in Skarja wieder für längere Zeit blicken lassen würde. Wir folgten dem Padjelantaleden noch ein Stückchen durch Birkenwälder und Moore, wobei wir die schweren Rucksäcke häufig absetzten, um unsere Schultern zu entlasten.

entlang des Vuojatädno

Nahe eines Bächleins, das von den Gletschern des Áhkka gespeist wird, schlugen wir unser Lager auf. Gerade rechtzeitig, denn noch bevor die Tortellini al dente waren, begann es auch schon zu regnen…

Zeltplatz unterhalb des Áhkka

unser Spirituskocher

Tag 2: in den Sarek
Am nächsten Morgen war der Gipfel des Áhkka tief in Wolken gehüllt. In einer kurzen Regenpause bauten wir das Zelt ab und marschierten im Nieselregen weiter Richtung Gisuris.

durchs Moor

Padjelantaleden: Bohlen über Moor

der Nieselregen lässt nach

Rückblick in Richtung Akkajaure

Um die Mittagszeit – der Niesel hatte inzwischen aufgehört – erreichten wir die Brücke über den Sjnjuvtjudisjåhkå. Hier, wo die drei Nationalparks Stora Sjöfallet, Padjelanta und Sarek aufeinandertreffen, genehmigten wir uns erst einmal ein wärmendes Süppchen am Fluss.

an der Brücke über den Sjnjuvtjudisjåhkå

So gestärkt überschritten wir die Schwelle zum Sarek und erfuhren umgehend die Wichtigkeit einer guten Routenwahl: Statt gleich auf den Os südlich des Sjnjuvtjudisjåhkå zu steigen, blieben wir zunächst unten im Birkenwald. Dies bescherte uns nicht nur Sumpf und Mückenschwärme, sondern auch unzählige kleine grüne Raupen, welche sich an Fäden von den Birken auf uns herunterließen. Erst nachdem wir den Os erklommen hatten, ging es oben gemütlicher weiter. Über einer Flussbiegung mit schönem Ausblick auf das vor uns liegende Gisuris errichteten wir am späteren Nachmittag unser Zelt. Auch an diesem Abend setzte wieder leichter Regen ein.

Sjnjuvtjudisjåhkå und Gisuris

Zeltplatz am Sjnjuvtjudisjåhkå

Tag 3: Sjnjuvtjudisjåhkå
Diesen Tag hatten wir uns einfacher vorgestellt: Am Fluss war der Untergrund von der Schneeschmelze noch so sumpfig, dass wir uns für eine Route weiter oben am Hang des Gisuris entschieden.

Sjnjuvtjudisjåhkå und Áhkka

Das bedeutete aber ein ständiges Auf und Ab durch unzählige Rinnen und Schluchten. Dazu gesellte sich dichtes Weidengestrüpp, das wir oft weiträumig umgehen mussten. Nachdem Silke kurz nach der Mittagspause bei der Furt des Baches, welcher vom Gisurisgletscher herunterkommt, ausgerutscht und samt Rucksack rücklings ins eiskalte Wasser gefallen war, hatte die Motivation den Tiefpunkt erreicht.

Gletscherbach des Gisuris

nach dem Sturz in den Bach

Wir entschieden uns für eine vorzeitige Beendigung der Etappe, um erst einmal Silkes Kleidung zu trocknen. Zum Glück hatten wir die Schlafsäcke und Wechselkleidung in wasserdichte Packsäcke verpackt, sodass die Welt nach Eierschwammerlsuppe und einer Tafel Schokolade wieder freundlicher aussah.

Tag 4: Niják
Nach etwa eineinhalb schweißtreibenden Stunden Aufstieg erreichten wir den Fluss Nijákjåhgåsj, den entlang wir ins Ruohtesvagge ziehen wollten.

ein Bächlein am Weg

zuversichtlich

am Eingang in Ruohtesvágge

Niják in Wolken

Am Ufer machten wir eine ausgiebige Mittagspause, wobei uns das Zelt Schutz bot vor Mücken und vereinzelten Regentropfen.

Nijákjåhgåsj, ein letzter Blick auf das Áhkká

Ein Trampelpfad entlang des Flusses erleichterte unseren Weitermarsch erheblich, sodass wir trotz einer größeren Bachquerung rasch vorankamen. Unterdessen trübte es rasch ein und begann zu regnen, weswegen wir auf einem kleinen Hügel am westlichen Flussufer gegenüber des Nijak unseren Lagerplatz bezogen. Noch ahnten wir nicht, dass wir hier eine Weile festsitzen würden…

Tag 5: Abwettern
…am nächsten Morgen nämlich hatte es noch immer nicht zu regnen aufgehört. Stattdessen wurde es bloß immer kälter und kälter. Bei diesen Verhältnissen konnten wir uns nicht zum Aufbruch entschließen, da das Innenzelt beim Abbauen im strömenden Regen unweigerlich nass geworden wäre. Stattdessen verbrachten wir einen gemütlichen Ruhetag im Schlafsack mit Nils Holgersson.

ausharren im Zelt

Tag 6: Ruohtesvágge I
In der folgenden Nacht wurde es dann noch kälter und das Regenprasseln ging in feines Grieseln über. Ein Blick aus dem Zelteingang bestätigte Silkes Unkenrufe: Draußen lag Neuschnee. Mitten im Juli, auf 850 Metern Seehöhe.

im Schneeregen

Bald waren die Hänge des Niják und des Kantberget weiß, und auch vor dem Zelt blieben ein paar Zentimeter Schnee liegen.

Wintereinbruch

Um die Mittagszeit wurde der Schneefall zu Schneeregen und flaute schließlich ab. Da wurde uns das Abwarten zu blöd, wir packten unsere Siebensachen mit klammen Fingern zusammen und zogen weiter.

wieder unterwegs

im nördlichen Ruohtesvágge

Zunächst kamen wir gut voran, doch bei der Furt des Nijákjåhgåsj bekam Silke Wasser in ihre Stiefel.

nach der Furt des Nijákjåhgåsj

Trotz der kalten Füße biss sie ihre Zähne zusammen und wir marschierten noch weiter bis zum Ruohtesjávrásj, einem kleinen Bergsee an der Wasserscheide des Ruohtesvagge. An einem halbwegs trockenen Platz neben einer kleinen Quelle stellten wir unser Zelt auf und kochten uns ein Knoblauchcremesüppchen. Draußen spielte unterdes der Juli April…

Ruohtesjávrásj

Tag 7: Ruohtesvágge II
Am nächsten Morgen wurden wir von Sonnenstrahlen begrüßt. Wir legten unsere Ausrüstung zum Trocknen auf und brachen erst am späteren Vormittag unser Lager ab.

am Ruohtesjávrásj

Blick in das Ruohtes

an der Wasserscheide des Ruohtesvágge

Bald darauf erreichten wir den eindrucksvollen Sander des Smájllajåhkå, wo wir dem französischen Pärchen aus dem Nachtzug über den Weg liefen. Nach einem kurzen Erfahrungsaustausch furteten wir den an dieser Stelle weit verästelten Fluss und marschierten an der südlichen Talseite weiter, wo ein ausgetretener Trampelpfad das Vorankommen erleichterte.

Furt durch den Smájllajåhkå

Furt durch den Smájllajåhkå

Sander des Smájllajåhkå

Vom Hang hatten wir einen schönen Ausblick über die Sandbänke und Flusswindungen in der Talsohle.

angezuckerte Nordseite des Ruohtesvágge

Ruohtesvágge, Blick nach Norden

Immer wieder veranlassten uns kurze Schnee- und Regenschauer den Regenschutz überzuziehen, April eben. Das letzte Stück bis Skarja zog sich gewaltig.

im südlichen Teil desRuohtesvágge

Ruohtesvágge, Blick zurück

Zum Glück setzte sich nun endgültig die Sonne durch, und wir konnten die sich vor uns immer weiter öffnende Landschaft im warmen Abendlicht genießen.

vor Skarja

Smájllajåhkå kurz vor Skarja

im Abendlicht

Wir passierten die Brücke über die tosende Schlucht des Smájllajåhkå, wo bereits ein paar Zelte standen.

an der Brücke über den Smájllajåhkå

Schlucht des Smájllajåhkå

Einen halben Kilometer weiter schlugen auch wir unser Nachtlager auf. Um uns gabelten sich die Täler: das Ruohtesvágge hinter uns im Norden, das Rapadalen unter uns im Süden, und im Westen das Guohpervágge und das Álggavágge. Wir waren im Herzen des Sarek angelangt.

Dämmerung über Skarja: dunkler wurde es nicht

mitten in der Nacht: Morgenlicht über Skarja

Tag 8: oberes Rapadalen
Nach der langen und anstrengenden Etappe des Vortages konnten wir uns heute nicht zu einem frühen Aufbruch aufraffen, zumale es draußen beständig regnete. Erst als am früheren Nachmittag der Niederschlag aufhörte, marschierten wir weiter.

noch immer müde

Aufgrund der sumpfigen Bodenverhältnisse wählten wir eine Route verhältnismäßig weit oben am Nordhang des Rapadalen. Der Máhtujågåsj war einfacher gefurtet als gedacht, doch nun galt es weite Sumpfwiesen großräumig zu umgehen, die uns als unerwartetes Hindernis begegneten.

am Máhtujågåsj, Blick zurück nach Skarja

beim Furten des Máhtujågåsj

sumpfige Route über dem Rapadalen

Rückblick

Snávvávágge voraus

da geht’s lang!

nach der Furt ist vor der Furt

Den übel beleumundeten Tjågńårisjågåsj überquerten wir auf einer Schneebrücke unterhalb eines Wasserfalls auf etwa 800m Seehöhe. Deren Existenz hatten uns zum Glück entgegenkommende Schweden bestätigt, da uns zuvor andere Wanderer von einer schwierigen Furt weiter unten berichtet hatten. Als Zeltplatz für das Nachtlager fassten wir nun den Bilavárásj, eine markante Erhebung auf der vor uns liegenden Ebene Bielavallda ins Auge.

am Bielajåhkå

Die Furt des Bielajåhkå erwies sich als einfach, und so dauerte es nicht mehr allzu lange, bis wir auf diesem Hügel standen.

glücklich am Bielavárásj

Die Aussicht von dort war atemberaubend: während sich in östlicher Richtung, über das Ähpár-Massiv und das Basstavágge dunkle Regenwolken senkten, blitzten über dem Rapaselet im Süden unter uns immer wieder Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke.

Bielavallda und Ähpár

Bär im Glück!

Lager Nr. 8

Rückblick über das obere Rapadalen

Tag 9: ins Snávvávágge
Der Tag begann mit einem Regenbogen über dem oberen Rapadalen. Silke, die unten am Bach das Geschirr spülte, erblickte ihn zuerst und ärgerte sich mächtig über Helmut, der anstatt ihr die Kamera zu bringen selbst photographierte.

Regenbogen!

Im Sonnenschein querten wir den Hang Richtung Snávvávágge, wobei die Aussicht über das obere Rapadalen unter uns immer grandioser wurde.

oberes Rapadalen

idem

Storchenschnabel

Trollblume

Blick flussabwärts

Der anschließende Aufstieg ins Snávvávágge war wie erwartet: aussichtsreich, blockig, und vor allem: sehr, sehr steil. Helmut fiel die Aufgabe des Packesels zu, da Silke mit dem Blockwerk auf Kriegsfuß stand.

im Aufstieg Richtung Snávvávágge

Während Helmut zum zweiten Mal den Hang hinaufkeuchte, konnte Silke von oben mit beiden Kameras die phantastische Aussicht dokumentieren, wobei sich uns das Fjäll erstmals von seiner sommerlichen Seite zeigte.

welch ein Ausblick

Wolken ziehen auf

von allen Seiten (…pfeift der Wind)

so steil war’s!

erschöpft. oder: gluckgluckgluck….

im Snávvávágge, Blick Richtung Skårki

Am Nordufer des Snávvájávrre, eines malerischen Bergsees, errichteten wir nahe einer Rentierherde unser Zelt auf einer kleinen Halbinsel. Helmut machte sich am Nachmittag noch auf zu einer Gipfeltour zum nahen Låddebákte (Vogelberg) an der südwestlichen Seite des Sees. Dabei wählte er einen direkten Anstieg über den Nordwesthang.

Aufstieg zum Låddebákte

Durchblick

Klippen des Låddebákte

Der Blick vom Gipfel (1537m) über das Rapaselet und die Gipfel des zentralen Sarek war die Mühe wert…

Blick vom Gipfel über das Rapaselet

…und über die höchsten Gipfel des Sarek

Regenbogen über dem Rapaselet

Blümchenwiese

Tag 10: Abstieg ins Rapadalen
Bei der eigentlich gemütlichen Umrundung des Snávvájávrre im morgendlichen Sonnenschein passierte das Malheur: Silke stolperte, knickte mit dem rechten Fuß um, schrie jäh auf und ging zu Boden. Der erste Augenschein verhieß nichts Gutes, bestenfalls war der Knöchel „nur“ verstaucht. Entgegen Helmuts erstem Impuls, Hilfe aus der Luft zu holen, entschied sich Silke, doch den Weitermarsch zu versuchen – also ging’s humpelnd weiter.

morgendlicher Blick aus dem Zelteingang (am Ausgang des Snávvájávvre)

Der Pass ins Rapadalen liegt etwas versteckt, sodass wir eine Weile nach der richtigen Scharte suchen mussten. Zwar sind auch auf dieser Seite des Snávvávágge die ersten Meter des Abstieges steil, doch zum Glück verläuft er auf angenehm weichem Wiesengrund mit deutlichem Pfad.

Abstieg bei perfekten Lichtverhältnissen

Erst der Jilájåhkå stellte ein Hindernis dar: Der ungewöhnlich steile Abstieg hinunter in sein tief eingeschnittenes Bett verlangt von Silke höchste Aufmerksamkeit und ständigen Stockeinsatz.

steile Schlucht des Jilájåhkå

An der jenseitigen Böschung angelangt ruhte sie zunächst einmal ihren verletzten Fuß aus, während Helmut den weiteren Abstieg in den Urwald des Rapaselet erkundete.

jetzt geht´s in den Wald!

Inzwischen war der Himmel trübe geworden und immer wieder nieselte es ein wenig. An der verschlossenen Skårki Hütte (einer von fünf „Konservenbüchsen“, welche der Sarekpionier Axel Hamberg im Nationalpark errichtet hatte) trafen wir auf einen Bayern, der von der Birken-Urwaldvegetation hier unten völlig verzaubert war. Der Hochstaudenbewuchs in seinem Farb- und Artenreichtum, mit lilafarbenen, gelben, rosaroten und weißen Blütenklecksen im feuchtgrünen Farnwald zog auch uns sofort in den Bann.

vor der Skårki-Hütte

Hochstaudendschungel

zwischen Stauden

Zu unserem Glück war ein meist deutlicher Trampelpfad zu erkennen, sodass wir trotz des Knacksknöchels und des dichten Bewuchses recht gut vorankamen. Unterwegs begegneten wir einem schwedischen Paar, das uns von seiner Begegnung mit einem Elchbullen berichtete, der es sich mitten auf dem Trampelpfad gemütlich gemacht hatte. Ein paar Kilometer flussabwärts wählten wir einen Zeltplatz am Waldrand, nahe am Ufer des hier bereits recht ansehnlichen Flusses. Silkes Knöchel war übel angeschwollen, als sie ihn aus dem Bergschuh befreite, und wurde umgehend erneut mit Tigerbalm behandelt und neu verbunden.

am Ufer

Tag 11: im Djungle
Der Morgen begann mit einem lauten Rascheln um unser Zelt. Schlaftrunken lugte Helmut durch einen Spalt im Zelteingang – und traute seinen Augen kaum: Keine zehn Meter entfernt stand ein Elch im Gebüsch und knabbert an den Weiden! Unser grünes Zelt bot offenbar eine gute Tarnung…

Frühstück mit Elch I

Frühstück mit Elch II

nun hat er uns doch gewittert…

Während Silke ihren Knöchel schonend im Zelt zurückblieb, wollte Helmut am Vormittag den Weiterweg entlang des Flusses erkunden und dabei gleich einen Teil des Gepäckes vorausbefördern. Er brach früh auf und wollte noch am späten Vormittag zurück beim Zelt sein. Etwas unheimlich war Silke schon zumute, allein im Zelt mit all den Geräuschen des Waldes und des Windes. Zudem war ungewiss, ob sie denn die kommenden schwierigeren Passagen würde gehen können. Um sich Mut zu machen, spielte sie etwas Maultrommel und guckte noch einmal alle ihre 586 Photos an – Aktse war nur noch 27km entfernt! Auf gepackten „Koffern“ wartete sie im sonnengewärmten Zelt und wunderte sich, warum Helmut so lange ausblieb.

Zeltplatz

Zuletzt hatte sie auch noch in einer Birke nahe beim Zelt einen gruseligen Fund gemacht: Auf etwa drei Metern Höhe hing ein Fell in den Zweigen, von dem Hufe baumelten. Ein Opfer der Frühlingshochwasser, oder das Beuteversteck eines Vielfraßes? Spätestens jetzt begann Silke darüber nachzudenken, wie sie notfalls alleine in die Zivilisation zurückfände…
Auf den ersten Kilometern war es Helmut noch ganz gut ergangen: Die flachen, sandigen Ufer ermöglichten ein rasches Vorankommen ohne Gestrüpp.

Rückblick am Fluss

Wollgras

Allerdings tauchten immer mehr Kanäle als Hindernis auf, die auch immer tiefer wurden, zuletzt bauchtief. Deshalb beschloss Helmut endlich auf den Trampelpfad weiter oben im Wald zu queren. Leichter gesagt als getan: Knietiefer Morast und dichtes Gestrüpp erschwerten das Vorhaben und bescherten Helmut, der „praktischerweise“ an diesem Vormittag bloß mit Sandalen unterwegs war, blutige Füße. Erst um die Mittagszeit erreichte er den Alep Vássjájågåsj, wo er auf den Trampelpfad traf und an der Furt das Gepäck abstellte. Dann ging‘s im Eiltempo zurück zum Zelt, wo er erschöpft eintraf und eine etwas aufgelöste Silke vorfand…
Nach einer Tafel Schokolade brachen wir gemeinsam auf, um auf dem Trampelpfad im Wald bis zur Furt des Alep Vássjájågåsj zu gelangen, wo nun schon ein Teil des Gepäcks lag. Im Sonnenschein konnten wir die Wanderung durch den Zauberwald auf dem weichen Untergrund richtig genießen.

Moor

kurze Photopause am Waldrand

im Birkenwald

Unterwegs trafen wir die „Sieben Zwerge“: sieben ältere Herrschaften mit weißen Haaren und Bärten, die uns im Gänseschritt freundlich grüßend passierten, frisch und vergnügt, als wären sie hier zuhause. Die Furt der beiden Arme des Alep Vássjájågåsj war einfach aber wie erwartet kalt.

durch den Alep Vássjájågåsj

beim Auswinden der Socken

am Alep Vássjájågåsj

Danach verließen wir den Trampelpfad, der weiterhin unten im Tal blieb, und folgten dem Alep Vássjájågåsj am östlichen Ufer den Hang hoch, wo wir im Birkenwald unser Lager aufschlugen.

Tag 12: über dem Rapadalen I
Wir hatten uns dazu entschieden, nicht im Birkenurwald dem Rapädno zu folgen, sondern am nördlichen Hang hoch über dem Tal zu marschieren, wo wir uns im Kahlfjäll einfacheres Vorankommen erwarteten. Der Aufstieg, den wir dazu von unserem Zeltplatz aus am Morgen unternahmen, war steil aber weniger mühsam als befürchtet.

Silke kämpft sich den Hang empor

Silke kämpft sich den Hang empor

über der Baumgrenze

über der Baumgrenze

Über der Baumgrenze angelangt machten wir zunächst einmal Rast und genossen den herrlichen Ausblick über das Rapaselet.

Teamphoto ;-)

Teamphoto 😉

Rast

Rast

Kartenstudium

Kartenstudium

Blick über das Rapaselet

Blick über das Rapaselet

Auf knapp über 1000m Seehöhe folgten wir dann dem Talverlauf in südöstlicher Richtung. Das Vorankommen hier oben war, von in paar Blockfeldern abgesehen, in der Tat recht einfach.

hoch über dem Rapadalen

hoch über dem Rapadalen

Silke auf Blockfeld

Silke auf Blockfeld

blühendes Fjäll vor Gådoktjåhkkå

blühendes Fjäll vor Gådoktjåhkkå

Um die Mittagszeit erreichten wir den tief eingeschnittenen Lulep Vássjájågåsj, in dessen Schlucht wir uns ein stärkendes Süppchen kochten.

Furt des Lulep Vássjájågåsj

Furt des Lulep Vássjájågåsj

Schlucht des Lulep Vássjájågåsj

Schlucht des Lulep Vássjájågåsj

Schlucht des Lulep Vássjájågåsj vor Gådoktjåhkkå

Schlucht des Lulep Vássjájågåsj vor Gådoktjåhkkå

Von hier stiegen wir schräg aufwärts zu einem namenlosen Sattel (zwischen den Punkten 1274 und 1112). Dort blickten wir über einem kleinen Wasserfall zum letzen Mal auf das Rapaselet zurück.

Wasserfall an namenlosem Pass

Wasserfall an namenlosem Pass

Maultrommel im Fjäll

Maultrommel im Fjäll

Auf der anderen Seite des Sattels erreichten wir eine ausgedehnte Terrasse, deren weicher Fjällboden uns beinahe zum Lagern ermuntert hätte, wäre das Wandern in der Nachmittagssonne nicht so schön gewesen.

Rast in der Nachmittagssonne

Rast in der Nachmittagssonne

Trollblumen

Trollblumen

So zogen wir weiter bis zum eingeschnittenen Bachbett des Buovdajågåsj, welches wir unschwierig über eine Schnnebrücke überwanden.

Schneebrücke über den Buovdajájågåsj

Schneebrücke über den Buovdajájågåsj

Schneebrücke über den Buovdajájågåsj II

Schneebrücke über den Buovdajájågåsj II

Auf der anderen Seite errichteten wir unser Zelt auf einer Aussichtsterrasse mit einem kleinen Bächlein, hoch über dem Rapadalen.

Lager 12

Lager 12

Abendessen im Zelt

Abendessen im Zelt

Tag 13: über dem Rapadalen II
Der Sonnenschein des Vortages sollte uns leider nicht erhalten bleiben: Bereits in der Nacht schlug das Wetter um und die Wolkendecke senkte sich bis weit ins Tal. Als wir morgens erwachten, herrschte um uns dichter Nebel und leichter Regen. Im verhältnismäßig flachen Gelände war nun die Orientierung schwierig: Einen vormittäglichen Aufbruchsversuch brachen wir deshalb rasch ab und errichteten erneut das Zelt, um auf bessere Verhältnisse zu hoffen. Tatsächlich lichtete sich am frühen Nachmittag mit einem Mal der Nebel und wir konnten weitmarschieren.

etwas skeptisch

etwas skeptisch

Wir zogen nördlich des Punktes 1078 vorbei und mussten dann in einen Einschnitt absteigen, dessen namenlosen Bach wir erneut über eine Schnnebrücke queren konnten. Von da aus ging es erneut bergauf in Richtung eines kleinen Sattels an der Südflanke des Gierdogjestjåhkkå. Dort stellte sich uns aber an der anderen Seite ein unerwartetes Hindernis entgegen: ein langes Schneefeld, das in seinem Verlauf nach Osten immer steiler wurde. Angesichts seiner harten und eisigen Oberfläche beschlossen wir nach einer ersten Erkundung, das Feld mühsam in einer Blockhalde nördlich zu umgehen bzw. umklettern. Als wir uns bereits dazu anschickten, überholte uns eine schwedische Wandergruppe, welche uns versicherten, der Weg über das Schneefeld sei einfacher und ohne Probleme machbar. Da wir einer zeitraubenden Blockkletterei, zumale mit Silkes angeschlagenem Knöchel, ohnedies nur wenig Begeisterung entgegenbrachten, entschieden wir uns nun doch für das Schneefeld. Zunächst ging es auch ganz gut voran, doch die letzten hundert Meter hatten es in sich: steil, ausgesetzt und pickelhart. Mit leichten Steigeisen oder weniger Gepäck wohl kein Problem, doch mit unseren Rucksäcken wahrlich kein Vergnügen. Helmut ging voran und hackte jeden Tritt mühsam in die harte Schneeoberfläche; nach einer endlos langen Viertelstunde waren wir wohlbehalten auf festem Untergrund, wo wir auf einem ebenen Moosflecken im Bockwerk unser Lager aufschlugen und uns von der nervlichen Anspannung erholten.

düstere Abendstimmung am Südhang des Gierdogjestjåhkkå

düstere Abendstimmung am Südhang des Gierdogjestjåhkkå

Tag 14: Abwettern und Skierffe
Es war zum aus der Haut fahren: Erneut waren die Wolken in der Nacht tief ins Tal gesunken, und als wir in der Früh aus dem Zelt blickten, sahen wir keine fünf Meter weit. Im unübersichtlichen Blockwerk des steilen Hanges war unter diesen Umständen an einen Aufbruch nicht zu denken. Langsam begann das Wetter unseren Zeitplan durcheinanderzuwerfen: Schließlich hatten wir Zugplätze für die Rückfahrt reserviert, die wir nicht versäumen wolten. Außerdem sollte Helmut bereits am Tag nach der geplanten Rückkehr zu einem Grabungsprojekt in die Türkei fliegen. Dementsprechend unruhig verbrachten wir den Tag im Zelt. Immer wieder schickte sich die Sonne an, durch die Wolkendecke zu brechen und den Nebel aufzulösen, doch jedes Mal schob wieder eine Wolkenbank heran. Erst am späten Nachmittag löste sich der Nebel plötzlich auf: Binnen weniger Minuten war der Himmel leergefegt.

der Nebel hat sich aufgelöst!

der Nebel hat sich aufgelöst!

Zum Glück hatte sich in der Zwischenzeit Silkes Knöchel etwas erholt, sodass der blockige Abhang hinunter Richtung Skierrfe keine gröberen Probleme bereitete. Auch der Gegenhang in den Sattel nördlich des Skierffe war asch überwunden. Dort ließen wir unser Gepäck zurück und erklomme die restlichen hundert Höhenmeter bis zum Gipfel mit ungewohnt freien Schultern. In der Zwischenzeit war die Abendsonne zum Vorschein gekommen und ihre letzten Strahlen tauchten die Landschaft in ein zauberhaftes Licht. Der Tiefblick von der Abbruchkante des Skierffe hinunter auf das etwa 700m darunter liegende Mündungsdelta des Rapädno in den Laitaure in dieser Abendstimmung lässt sich nicht in Worte fassen. Er entschädigte jedenfalls für alles Warten im Nebel und die Mühen der vergangenen Tage…

Silke am Skierffe

Silke am Skierffe

Laitaure-Delta

Laitaure-Delta

Tjahkelij im Abendlicht

Tjahkelij im Abendlicht

Laitaure-Delta Detail I

Laitaure-Delta Detail II: Wolkenspiegelungen

Laitaure-Delta Detail II: Wolkenspiegelungen

Tjahkelij im Abendlicht II

Tjahkelij im Abendlicht II

Zurück bei den Rucksäcken zogen wir noch ein paar Minuten bis zu einem kleinen Bächlein weiter, wo wir unser Nachtlager aufschlugen. Morgen Früh würden wir den Sarek verlassen, den wir nun fast zwei Wochen lang durchquert hatten, und auf den Kungsleden stoßen, der uns langsam wieder zurück in die Zivilisation bringen sollte…

Abendstimmung über dem Sarek

Abendstimmung über dem Sarek

Tag 15: auf den Kungsleden
Bei immer noch freundlichem Wetter nahmen wir ein ausgedehntes Frühstück ein und breiteten währenddessen die letzten noch feuchten Kleidungsstücke zum Trocknen aus. Danach querten wir in einfachem und flachem Gelände die Südhänge des Bassoajvves und des Doaressoajvves. In der Senke zwischen den beiden Kuppen kamen wir an einem riesigen Findling vorbei, der auf der Karte als samischer Opferplatz ausgewiesen war.

Opferplatz

Opferplatz

Mit ähnlichen einzeln in der Landschaft verstreuten Blöcken war der gesamte Hang gegen Aktse zu übersät.

Findling am Hang über Aktse

Findling am Hang über Aktse

Blick nach Süden

Blick nach Süden

Anstelle aber dorthin abzusteigen, hielten wir uns auf knapp unter 1000m in östlicher Richtung und erreichten um die Mittagszeit den Kungsleden, der sich als breite, ausgetretene Spur über die Hochebene zog. Im Anschluss an eine kurze Rast folgten wir dem Kungsleden in nördlicher Richtung – nach zwei Wochen ohne ausgebautem Weg fühlten wir uns hier wie auf Schienen.

am Kungsleden

am Kungsleden

Auch der kurzfristig recht steile Abstieg hinab zum Sitojaure war rasch überwunden.

Rast mit Blick über den Sitojaure

Rast mit Blick über den Sitojaure

Leider wurde die Aussicht über die ungewohnt weitläufige und sanfte Fjälllandschaft bald etwas durch Wolken getrübt. Zuletzt ging es noch eine Weile – teilweise über Holzbohlen – durch einen lichten Birkenwald, ehe wir das Ufer des Sitojaure erreichten. An der Anlegestelle lag allerdings kein Ruderboot und auch auf dem Wasser war keines auszumachen. Als wir kaum noch damit rechneten, heute ans andere Ufer zu gelangen, tauchten in der Ferne zwei kleine Punkte auf, in denen wir bald ein besetztes Ruderboot mit einem weiteren im Schlepptau erkannten. Im Zick-zack näherten sie sich dem Anleger und eine halbe Stunde später konnten wir einem deutschen Wandererpärchen dabei helfen, das zweite Boot an Land zu ziehen. Sie waren in den vergangenen Tagen von Kvikkjokk den Kungsleden nach Norden gewandert, und hatten heute Nachmittag hier bloß eines der insgesamt drei Ruderboote angetroffen, sodass sie nach dem Übersetzen ein Boot hierher zurückbringen mussten. Für ihre dritte Überfahrt griffen nun natürlich wir zu den Rudern – schließlich waren wir nun in der glücklichen Lage, den Weg nur einmal zurücklegen zu müssen.

rudern über den Sitojaure

rudern über den Sitojaure

Die Ruderstrecke von etwa vier Kilometern war mit Bojen markiert – einzig das teilweise sehr seichte Wasser mahnte etwas zur Vorsicht. Am anderen Ufer verabschiedeten wir uns von unseren Begleitern, die in der nahen Sitojaure-Hütte übernachten wollten.

noch 20km nach Saltoluokta

noch 20km nach Saltoluokta

Wir hingegen zogen trotz einsetzenden Nieselregens noch einen knappen Kilometer weiter, ehe wir im Birkenwald unser Nachtlager aufschlugen. Mit so vielen Mücken wie hier hatten wir es seit Beginn der Tour nicht zu tung gehabt!

Tag 16: im Regen nach Saltoluokta
Als wollte sich an unserem letzten Wandertag die Natur noch einmal in all ihren Facetten zeigen, goss es von der Früh weg wie aus Eimern. Bei peitschendem Gegenwind war Helmut, der ohne seine zerrissene Regenhose auskommen musste, bis auf die Haut durchnässt und auch Silke ging es nicht viel besser. Von der geologisch interessanten Landschaft des breiten Ávtsusjvágge, dem wir nach Norden folgen, bekamen wir kaum etwas zu Gesicht: Die dichte Wolkendecke hing wenige Meter über unseren Köpfen. Der monotone Marsch im nassen grau hatte etas meditatives an sich. Nach etwa zehn Kilometern erreichten wir eine kleine Rasthütte, wo wir uns mit anderen Wanderern etwas aufwärmten und unser Mittagessen einnahmen.Als wir nach einer Weile wieder aufbrechen wollten, erwartete uns eine freudige Überraschung: Der Regen hatte aufgehört und die Wolkendecke über uns lockerte sich auf.

raststuga

raststuga

Wir wechselten sofort die Kleidung und hängten die triefenden Klamotten zum Trocknen an unsere Rucksäcke; den weiteren Weg legten wir im Sonnenschein zurück.

Ávtsusjjåhkå vor der schroffen Ostflanke des Sjäksjo

Ávtsusjjåhkå vor der schroffen Ostflanke des Sjäksjo

wieder Sonne!

wieder Sonne!

Nach Norden und Westen eröffneten sich herrliche Ausblicke auf den Pietsaure und die schroffen Gipfel in seiner Umgebung.

Blick Richtung Pietsaure

Blick Richtung Pietsaure
Rast an Findling

Rast an Findling

ein Gast beim Kartenstudium

ein Gast beim Kartenstudium

Blick nach Westen: Pietsaure, Lulep Gierkav und Langas

Blick nach Westen: Pietsaure, Lulep Gierkav und Langas

Als ob uns das Fjäll zum Abschluss ein letztes einmal seine Unberechenbarkeit vor Augen führen wollte, erwischte uns im Abstieg auf den letzten Kilometern nach Saltoluokta noch einmal ein kräftiger Schauer.

kurz vor Saltoluokta

kurz vor Saltoluokta

Da unsere Reisebudget den Übernachtungspreisen der Fjällstation nicht gewachsen war und diese ohnedies überfüllt war, schlugen wir am Ufer des Langas in der Nähe des Bootsanlegers unser Zelt auf. Beim Essenkochen kam über dem See erneut die Abendsonne zum Vorschein – welch ein Finale…
Am nächsten Morgen brachte uns eine Fähre über den Langas nach Kebnats, wo bereits der Bus Richtung Gällivare auf uns wartete.

am Bahnhof von Gällivare (nein, das ist nicht nur unser Gepäck...)

am Bahnhof von Gällivare (nein, das ist nicht nur unser Gepäck…)

1313km nach Stockholm

1313km nach Stockholm

Abreise
Die Rückfahrt verlief ähnlich wie die Hinfahrt über Stockholm, wo uns diesmal allerdings sommerlich schönes Wetter empfing. Mit einem Spaziergang durch die unter diesen Verhältnissen fast mediterran wirkende Stadt ließen wir unsere Reise ausklingen.